Weltweite Ausbreitung

Vorwort von Prof. Friedrich Wessely zum Buch von Frank Duff  “Wie man die Welt erobert”

“Wie man die Welt erobert” nennt sich dieses Buch. Der Titel, der nicht vom Verfasser, sondern vom Herausgeber stammt, bedarf keiner Rechtfertigung, denn, was auf diesen Seiten dargestellt wird, ist die vielleicht beispiellose Geschichte einer Eroberung, die zugleich Vorspiel und Ausgangspunkt von Eroberungen allergrößten Stils wurde. Es ist die Geschichte der Entstehung der Legion Mariens, mit deren Existenz das Erobern notwendig verbunden ist.

Frank Duff - Gründer der Legion Mariens

Frank Duff - Gründer der Legion Mariens

Was ist die Legion Mariens? Auf diese Frage gibt das vorliegende Buch eine Antwort, wie man sie sich nicht besser wünschen kann, denn es stellt die Legion in ihrem Ursprung, in ihrem Werden dar und gibt uns tiefe Einblicke in das Eigentümliche dieser Gemeinschaft.

Die Frage nach dem Wesen der Legion stellt sich jedem ernsten Beobachter der Geschichte der Gegenwart, denn das Aufblühen dieser Organisation, die sich über alle Weltteile er­streckt, und ihre Taten sind nichts Alltägliches und nötigen uns Aufmerksamkeit und Ach­tung ab.

Wir sehen uns einer katholischen Gemeinschaft gegenüber, die seit mehr als 30 Jahren von Eroberung zu Eroberung schreitet und sich die Gewinnung der Welt für Christus zum Ziel gesetzt zu haben scheint. Zuerst arbeitete ein ganz kleiner Kreis an der Rettung von Men­schen, die die Welt schon abgeschrieben hatte, bei den Unheilbaren eines Dubliner Armen-Krankenhauses; darauf dehnte man die Sorge auf die Verwahrlosten, die Straßenmädchen aus, suchte diese in ihren Spelunken auf und führte sie zu einem menschenwürdigen Leben zurück. Diese Tätigkeit stellte die ersten Legionäre sehr bald vor ein Problem, das absolut unlösbar zu sein schien. Dieses Problem hieß Bentley-Place.

Bentley-Place war das Verbrecherviertel von Dublin. Es umfasste mehrere Straßenzüge der Stadt. Kein anständiger Mensch konnte es ohne Lebensgefahr betreten und setzte zumindest seinen guten Ruf aufs Spiel, wenn er sich hier blicken ließ. Die staatlichen Stellen ließen dieses Viertel bestehen, weil sie keine Möglichkeit sahen, dem Übel abzuhelfen. Drakonische Maßnahmen hätten nichts gefruchtet, sondern die Pest, die hier zuhause war, auf andere Gebiete der Stadt übertragen und die Sache noch schlimmer gemacht. So ließ man hier also die Verbrecherwelt ihr Unwesen treiben.

Die Sorge der ersten Legionäre um die verwahrlosten Mädchen führte sie nun eines Tages an die Schwelle dieses Grauen erregenden Stadtteiles.

Sollte diese Schwelle überschritten werden, um einige Mädchen, die man hier in Gefahr wusste, zu retten? Oder sollte man, von diesen Fällen abgesehen, mit verschränkten Armen zusehen, wie hier Menschen in rasender Eile ihrem zeitlichen und ewigen Verderben sich näherten? Musste nicht irgend jemand in der Kirche, in der Kirche des Guten Hirten, der den verlorenen Seelen nachgeht, etwas unternehmen? Und wenn ja – warum sollte es nicht die Legion sein?

So wird also das Werk begonnen, das menschlich gesprochen, zu den tollsten gehörte, die je unternommen wurden, zu jenen Werken, die man allgemein für un­durchführbar hält. Die Legion hat es unternommen – Gott weiß, unter welchen Ängsten, Nöten und Ver­suchungen. Sie hat es unternommen und Gott hat es gesegnet. Das Werk gelang. Es gibt keinen Bentley­-Place mehr in Dublin. Dieser Schandfleck Irlands ist durch die Legion getilgt worden.

Eine nüchterne Überlegung sagt uns, dass dieser Erfolg nicht das Ergebnis eines Handstrei­ches, eines Husarenstückes sein konnte, dass es nach einem wohlüberlegten Plan erstrebt werden musste. Dieser Plan musste in der Weise durchgeführt werden, dass die einzelnen Legionäre je ein Teilziel zu erstreben und darüber in der wöchentlichen Zusammenkunft zu berichten hatten, so dass sie von der Gemeinschaft beraten und bestärkt werden konnten, und in der Lage waren, neue Aufträge entgegenzunehmen. Auf diese Weise ging der Überblick über die verschiedenen Leistungen und die gesamte Situation nicht verloren.

Es bedurfte dazu verlässlicher, tugendhafter Menschen, die sich dazu erziehen ließen, immer wieder im Vertrauen auf die göttliche Hilfe, das Äußerste zu wagen. Es bedurfte schlichter Seelen, die dort, wo es sich um die Rettung von Menschen handelte” gar nicht auf den Gedanken kamen, Mangel an Zeit, oder Arbeitsüberlastung oder die eigene Ungeschicklich­keit vorzuschlitzen, sondern sich mehr und mehr dazu durchrangen, für jeden Ruf Gottes offen zu stehen.

Die ersten erfolgreichen Taten, die die Legion vollbrachte, waren von einer Bedeutung, die unübersehbar groß war. Es wurden dadurch für die Arbeit im Reiche Gottes ganz neue Perspektiven eröffnet! Wenn Menschen aus allen Schichten des Volkes, die mit der alltägli­chen Arbeit belastet waren, imstand waren, einen solchen Heroismus zu entwickeln und solche Taten zu setzen und wenn die Legion Mariens sie dahin brachte, gab es dann noch irgend etwas, was sie im Verband dieser religiösen Gemeinschaft nicht in Angriff nehmen konnten? Gab es irgendwo in der Welt eine Aufgabe, die schwerer war, als die schon geleiste­te? Und wenn es eine solche gab, sollten die Menschen, die Gott durch Maria alles übergeben hatten und die nicht die Schranke aufrichteten: Bis hierher und nicht weiter geht meine Hingabe – nicht auch zur Lösung dieser Aufgaben fähig sein? Die Frage stellen hieß sie bejahen. Das Fazit all der Ereignisse war also die klare Einsicht, dass die Gnaden Gottes heute nicht spärlicher fließen als zu den Urzeiten der Kirche und dass dort, wo Menschen, welchen Standes sie auch sein mögen, ihr Herz öffnen, sie bereichert und instandgesetzt werden, erstrangige Leistungen für Gott und die Kirche zu vollbringen.

Was hier in Dublin möglich war, das war überall in der Welt möglich. Was hier geschah, das musste überall geschehen, denn überall in der Welt gab es Menschen, die dem ewigen Tod verfallen zu sein schienen oder in Gefahr waren unterzugehen, und nirgendwo durfte es Christen erlaubt sein, nur an das eigene Heil zu denken und zur Rettung der Seelen – nichts zu tun oder bloß Handlungen zu vollziehen, die be­schämend hinter den Möglichkeiten des Einzelnen zurückblieben.

So wurde also, sobald die Arbeit in Dublin einen solchen Grad des Erfolges erreicht hatte, der Blick auf die weite Welt gelenkt. In den Augen der Legion gleicht sie einem Riesen-Kranken­haus; denn alle Menschen sind hilfsbedürftig, überall kann man in diesen Menschen Christus finden, Christus dienen und ihn lieben und damit das Werk der Mutter Gottes fortsetzen.

Die Legion begann also 1928 die Grenzen Irlands zu überschreiten, und ihre Fühler nach Schottland und dann nach England auszustrecken. Mühsam war das Beginnen. Kein Wundert Diese hundertprozentige Auffassung von katholischer Aktivität war den Gläubigen noch fremd. Aber unnachgiebige Zähigkeit führte hier wie dort zum Erfolg. In Schottland wie in England wurde in gleicher Weise wie in Irland und in wundervoller Harmonie mit der Legionszentrale in Dublin gearbeitet. Die Legionsfamilie hat sich dadurch bedeutend er­weitert und der enge Kontakt zwischen allen Zweigen der Legion garantierte hier schon, wie auch weiterhin, dass überall im gleichen Geist die schwersten Probleme des Landes zu lösen versucht wurden. Erstmalig wurden hier Protestanten systematisch die katholischen Glau­benswahrheiten erschlossen, um sie dadurch in den Schoß der wahren Kirche zurückzuführen

 Zu Beginn der 30er Jahre wurde die Verbindung mit Amerika hergestellt. Da und dort meldeten sich Interessenten. Aber, um die Katholiken mit Geist und Leben der Legion zu durchdringen, bedurfte es guter, erprobter Legionäre. Wird sich unter den irischen Legionären jemand finden, der im Vertrauen auf Gott, unter persönlichen, materiellen Opfern für längere Zeit, vielleicht für immer seiner Heimat zu entsagen bereit ist, um in fernen Ländern dem Werk der Mutter Gottes die Wege zu bereiten?

Solche Legionäre fanden sich – man muss hinzufügen – selbstverständlich. Es wurden nun Gesandte der Legion über das Meer geschickt. In sechsjahrelanger Arbeit leisteten sie das Werk der Aufrichtung der Legion mit einem gewaltigen Erfolg. Das Wachstum der Legion in Amerika nimmt stetig mit größerer Schnelligkeit zu.

Die kommenden Jahre erreichte die Legion der Ruf afrikanischer Missionäre. Wieder finden sich Legionäre bereit, in den schwarzen Erdteil zu reisen. Die Legion wird hier in West- und Südafrika aufgerichtet. Dabei wird nichts von den Legionsprinzipien aufgegeben. Auch hier finden sich die Legionäre zum wöchentlichen Treffen zusammen und geben Bericht über die geleistete Arbeit, die immer in Werken geistiger Barmherzigkeit liegt. Die Seelsorger sind voll Freude und Dankbarkeit für diese Hilfe. Diese Dankbarkeit steigert sich zur Bewun­derung, als 1936 eine junge Irländerin sich bereit erklärt, in das für ihre schwache Gesundheit gefährliche Zentralafrika zu reisen. Edel Quinn bringt in schlichter Gelassenheit dieses Opfer. Sieben Jahre lang wirkt sie hier. Nairobi ist ihr Hauptquartier. Von hier aus unternimmt sie unter unsäglichen Mühen weite Reisen, gründet Präsidium auf Präsidium, stets in engster Fühlung mit dem Concilium in Dublin. Bei ihrem Tod, der ein wahrer Triumph ist, hinterlässt sie mehrere hundert wohl organisierte, von einem eigenen Senatus geleitete Präsidien.

Während dieser Tätigkeit wurde auch die Verbindung mit dem Fernen Osten, mit Indien, angeknüpft, wo hauptsächlich von Br. Norman, der von D’Souza unterstützt wurde, das Muttergottes-Heer aufgestellt wurde. Auch hier wurde “Unmögliches” geleistet. Die Legion kennt keine Kastenunterschiede, denn Gott will nicht die Trennung, sondern die Einigung der Menschen.

In den einzelnen Präsidien finden sich Menschen aller Klassen zusammen. Sehr bald wurde von hier aus der Weg nach Australien und Neuseeland geebnet, und dann der Vorstoß weiter nach Japan unternommen, wo die Legion in allen Diözesen auf sichere Fundamente gegrün­det wurde.

Wir sagten oben, dass sich die Legion in Afrika die Bewunderung der Priester erwarb. Dies war von providentieller Bedeutung, denn einer dieser Priester, der durch die Wirksamkeit Edel Quinns in helle Begeisterung geriet, war niemand anderer als der apostolische Präfekt Msgr. Riberi, der die Legion als das Mittel zur Ausbreitung des Christentums, als das Ge­schenk des Himmels für unsere Zeit erkannte. Dieser wurde nun nach dem Fernen Osten versetzt, wo er die Priester über die Bedeutung der Legion Mariens aufklärte. Seine Strategie war es, das Apostolat durch die Legion in Schwang zu bringen. In P. McGrath fand er ein Organ, das seine Pläne in heroischer Weise durchzuführen wusste, so dass ungefähr gleich­zeitig mit der kommunistischen Invasion die Legion das Land betrat, hier den Katholiken und den Heiden das Beispiel jener Liebe und Treue zum Glauben und zur Kirche gab, das an die glorreichsten Tage des Urchristentums erinnert. Die Legion wurde in China so die Seele des Widerstandes gegen alle infernalen Versuchungen, den Glauben zu verleugnen.

Diese Bemühungen, die Legion in die fernen Länder zu tragen, ließen aber durchaus nicht auf das europäische Festland vergessen. Während der Zeit der deutschen Invasion konnte in Frankreich unter großen Schwierigkeiten ein erstes Präsidium gegründet werden und auch in Deutschland wurden noch während der Herrschaft Hitlers die ersten Keime gelegt. Seither hat sich die Legion in allen Ländern diesseits des eisernen Vorhangs stark ausgebreitet und scheint in Frankreich, Belgien und Österreich insofern am stärksten fundiert zu sein, als hier ihre Leitung nicht mehr in Händen eines von Dublin aus beauftragten Legionsgesandten liegt, sondern vom Senatus, dem Landesrat, der in enger Fühlung mit dem Concilium in Dublin tätig ist, geschieht.

In jüngster Zeit ist die Legion im Begriff, Südamerika zu überfluten. Drei Legionsgesandte, Br. Grace, Br. Lambe und Schw. Lukas sind hier an der Arbeit und man muss sagen, dass in den Staaten dieses großen Erdteiles, der sich am längsten unzugänglich gezeigt hatte, die Legion sich seit 1953 gleich einem Lauffeuer ausbreitet. Diese Ausbreitung hat zweifellos etwas Imponierendes an sich, aber man muss sich vor Augen halten, von welch allgemeiner Bedeutung sie ist. Wenn sich die Legion überallhin ausbreitet, dann heißt dies, dass sich überall Menschen zusammenfinden, die Woche für Woche über die Durchführung eines Auftrages berichten, dass dieser Auftrag festumschrieben ist und die Erreichung eines Zieles bezweckt, das eines Apostels würdig ist. Wenn die Legion, abgesehen von materieller Hilfe­leistung, die sie andern Organisationen überlässt, sich auch für alle Arbeiten anbietet, so strebt sie doch danach drängende und wesentliche Aufgaben zu bewältigen, und zwar durch persönliche Fühlungnahme mit den Menschen, also durch Taten, die Mut erfordern.

Wir haben in kurzen Strichen auf die Ausbreitung der Legion hingewiesen. Man erkennt daraus, wie weitreichend die Aspirationen dieser Gemeinschaft sind. Man sieht, welche Entschlossenheit hier regiert und zu welchen Opfern der Einzelne sich bereit hält. Man bemerkt auch, dass überall dort, wo die Legion auf den Plan tritt und sich einmal so gefestigt hat, dass sie vom Concilium als seine Tochter anerkannt werden kann, heroisches, zielbewusstes, auf Eroberung ausgehendes Handeln aus Liebe zum Gott gegeben ist.

Man mag nun die Frage stellen, ob dies nicht stark übertrieben ist. Man wird sich versucht fühlen, nachzuweisen, dass es sich hier um eine Verzeichnung der Wirklichkeit handelt. Man wird hinweisen auf Legionäre und Legionsgruppen, die durchaus nicht den Eindruck des Heroischen machen und nicht anders als mittelmäßig bezeichnet werden können und – mit einem Gefühl der Erleichterung wird man feststellen: Es ist gar nicht so weit her mit der Legion. Sie mag ganz gut sein und nützlich, aber es ist nicht notwendig, soviel Aufhebens von ihr zu machen und es scheint durchaus nicht von so großer Bedeutung zu sein, ihr Vordringen zu unterstützen und ihren Reihen sich anzuschließen.

Aber diese Urteile stimmen in Wirklichkeit nicht. Freilich gibt es Gruppen, die unter dem Durchschnitt arbeiten, aber ihr Dasein ist nur von kurzer Dauer. Jedes Präsidium, ja, jede Curia, die nicht im Sinne der Legion arbeiten will, wird von dieser selbst unbarmherzig aufgehoben.

Diese Urteile stimmen auch deshalb nicht, weil sie vielfach vorschnell und ohne genaue Kenntnis der wirklichen Verhältnisse innerhalb einer Legionsgruppe abgegeben werden. Wo man sich die Mühe nimmt, zu einem wahren Urteil zu gelangen, wo man die Arbeitsweise sorgsam prüft, dort wird man auch zur Einsicht kommen, dass die Leistungen der einzelnen Legionäre, ihr Mut, ihre Woche für Woche gebrachten Opfer groß sind, und dass die Be­hauptungen über die Bedeutung der Legion nicht übertrieben sind. Man wird sich, je mehr man die Legionäre an der Arbeit sieht, um so mehr die Frage stellen: Woher hat diese Ge­meinschaft ihren so erhebenden Idealismus? Was macht das Wesen der Legion eigentlich aus?

Was ist die Legion? Diese Frage kann eine sehr verschieden vollkommene Antwort erhalten, d. h. eine Antwort, die der Legion in einem verschiedenen Grad gerecht wird. Die Antwort kann mehr oder weniger oberflächlich ausfallen. Sie kann eine gute Beschreibung sein, die nichts Wichtiges zu vergessen scheint, dennoch aber nicht dasjenige herausstellt, was gleich­sam das Herzstück der Legion ist.

 Solange man nicht zum Letzten vorzudringen vermag, solange wird man die Legion nicht wahrhaft fördern können -, d.h. aber, man wird gerade jene Gemeinschaft, die der Welt von ungeheurem Segen werden könnte, nicht wahrhaft unterstützen. Man kann daraus entnehmen, dass die Verantwortung der Katholiken, besonders der führenden, groß ist, größer als sie selbst es meinen.

Man kann in der Legion eine Gemeinschaft von Menschen sehen, die sich zu einem tat­kräftigen Apostolat entschlossen haben, die sich dazu noch eine bestimmte Gebetsverpflich­tung auferlegt haben, die eine besondere Verehrung für die Mutter Gottes pflegen und diese Verehrung auch weiter verbreiten wollen. Man kann in ihr eine Gemeinschaft sehen, die bei ihrer Arbeit ganz bestimmte Methoden anwendet und über ihre Arbeit Rechenschaft ablegt; die bei ihren Zusammenkünften ein bestimmtes Zeremoniell einhält und verschiedene Regeln beobachtet, deren Sinn nicht immer leicht verständlich ist und deren Wertschätzung und Hochhaltung manchmal als Zeichen einer gewissen Enge und Kleinlichkeit angesehen wird.

So kann man mehr oder weniger genau die Legion beschreiben; man kann noch hinzufügen, daß die Organisation der Gruppen untereinander und ihre Verbindung mit dem Concilium von einer wunderbaren Genialität und Einfachheit sei und – kann dennoch am Letzten und Tiefsten vorbeigehen, kann dennoch übersehen, daß diese und viele andere Dinge sich nur aus dem erklären lassen, was wir hier als das Geheimnis der Legion bezeichnen wollen.

Dieses Geheimnis enthüllt uns die Geschichte der Legion, wie sie uns Frank Duff erzählt. Aus ihr kann dieses Geheimnis von allen, die guten Willens sind und die es wirklich kennen lernen wollen, herausgelesen werden.

Zuerst sei gesagt, dass es wohl kaum einen, Menschen geben wird, der dieses Buch aus der Hand legt, bevor er es zu Ende gelesen hat. Die hier geschilderten Ereignisse sind allzu fesselnd und so beeindruckend, dass mancher auf die Lektüre vielleicht ähnlich reagieren wird, wie jener irische Minister, der in einer schwierigen Situation in die Arbeit der Legion eingeweiht und um Hilfe ersucht wurde. Spontan sagte er: Noch nie habe ich eine rührendere Geschichte gehört – und er versprach tatkräftige Hilfe.

Aber sehen wir von diesem mehr äußeren Charakter des Buches ab, der uns noch nichts Näheres über die Legion selbst sagt. Dem Wesen der Legion kommen wir näher, wenn wir eine andere Besonderheit des Buches aufmerksam beachten. Dieses Buch wirft ein Problem auf, das alle Christen angeht, das Problem des christlichen Apostolates, der christlichen Tat. Dieses Problem wird dadurch aufgerollt, dass die Legion, wie sie wirklich ist, in ihrer Existenz gezeigt wird. Durch ihre Wirksamkeit wird es offenbar, dass “unlösbare” Aufgaben gelöst werden können; dass die Massen durch herzliche Zuneigung, die man den einzelnen Menschen erweist, gewonnen werden können, dass die Andersgläubigen durch die schlichte Darlegung des katholischen Glaubensgutes interessiert und schließlich in den Schoß der Kirche aufge­nommen werden können.

Durch diese Tätigkeit der Legion werden die Christen vor die Frage gestellt, ob sie ihr eigenes Verhalten, ihre eigene Aktivität nicht einer Änderung unterziehen müssen. Bisher standen sie nicht vor dieser Entscheidung, bisher gab es für sie dieses Problem nicht, weil ihnen ein direktes Bemühen um die Bekehrung der ungläubigen Bevölkerung utopisch vorkam oder weil die Betreuung der einzelnen Menschen kein wirksames Mittel zu sein schien, die Massen zurückzugewinnen. Bisher hat man die Gewinnung der Andersgläubigen, die unter uns wohnen, kaum als ein Ziel erkannt, das mit Anstrengung verfolgt werden müsste. Nun aber stehen wir durch das Wirken der Legion vor der Frage einer Revision nicht nur unserer Methoden, sondern unserer Zielsetzungen, unserer unvollkommenen, vielfach in der Theorie steckenbleibenden Auffassungen vom Apostolat.

Die Frage ist nicht die, ob denn bisher nicht auch schon wesentliche Arbeit geleistet wurde, ob denn die Legion sich erkühnt, zu behaupten, allein um das wahre Apostolat zu wissen. Solche Einwände sind zu leidenschaftlich vorgebracht und zu unbesonnen, um darauf eingehen zu können. Gott hat sich aber zweifellos der Legion bedient, um Grundsätze des Apostolates, die aus dem Evangelium stammen, ins Gedächtnis zu rufen, weil sie eben in den Hintergrund getreten sind. Es ist unwichtig, ob diese Grundsätze zuerst und nur durch die Legion verfoch­ten wurden oder nicht. Wichtig ist es dagegen, dass sie überall im katholischen Lager erkannt, anerkannt und praktiziert werden.

Zweifellos liegt in dem Bemühen, die Worte des Evangeliums zur Richtschnur von Ziel und Methode des Apostolates zu machen, etwas vom wesentlichen Charakter der Legion, zweifel­los hat sie hier auch eine Mission zu erfüllen. Aber auch mit dieser Feststellung haben wir noch nicht dasjenige berührt, was wir als, das Geheimnis der Legion bezeichneten.

Das Geheimnis der Legion kommt in dem Wort zum Ausdruck, dass sie “Maria am Werk” sei. Wir wollen uns darüber klar werden, was damit ausgesprochen ist. In diesem Wort ist der Glaube an die allumfassende Gnadenmittlerschaft Mariens verborgen; weiterhin die Überzeu­gung, dass diese Gnadenvermittlung sich sowohl bei der Gründung, wie beim Fortbestand der Legion in einem so intensiven Grad verwirklicht hat, dass man die Legion mehr als das Werk Mariens, denn als unser Werk ansehen muss. Ein dritter Gedanke, der für die Legion typisch ist, legt sich nahe, nämlich, dass eine so starke Beeinflussung durch die Gnade eine äußerste Willensbereitschaft des Menschen zur Voraussetzung hat. Dieser letzte Gedanke bedarf noch einer Ergänzung. Die Willensbereitschaft oder Mitwirkung hat insofern einen besonderen Charakter, als sie nicht nur in einer Anspannung aller Kräfte physischer und geistiger Art besteht, sondern in einer Hingabe seiner selbst an Maria und dadurch an Gott, also in einer Entsagung seiner selbst, die eine ideale Vorbedingung für eine reiche und überreiche Gnaden­mitteilung ist.

Die Legion glaubt, dass sie ein Werk Mariens ist. Sie sieht darin, ein Werk Mariens zu bleiben, ihre Hauptsorge. Aus diesem Grund strebt sie vor allem darnach, ihre Mitglieder in jene Verfassung zu bringen und zu jenen Tugenden anzuleiten, die diese für das Gnadenwirken aufgeschlossen sein lassen; deshalb stellt sie bei ihren Unternehmungen die Frage: Was können wir tun, damit Gott in der Welt mehr geliebt werde? Damit macht sie den Wunsch Mariens zu dem ihrigen. Dieses “Geheimnis” der Legion ist gleichsam die Quelle, aus der die legionäre Tätigkeit sich ergibt. Das Verständnis dafür ist die Voraussetzung für die Annahme und Durchführung der Grundsätze ihres Apostolates.

Der Widerstand, der da und dort gegen die Legion bemerkbar ist, richtet sich meist unbewusst gegen diese ihre innere Einstellung. Mit Misstrauen begegnet man allem Neuen und Unge­wohnten, d.h. all dem, was dem natürlichen Hang zu nicht gesunder Selbstzufriedenheit entgegensteht. Mit Widerwillen wird auf all das reagiert, was uns vor neue Aufgaben stellt und uns zwingt, die gewohnte Bahn zu verlassen, in der wir uns schon heimisch fühlen.

Mit Abneigung wehrt man sich gegen all das, was die eigene Auffassung über katholisches Apostolat in ihrer Mangelhaftigkeit aufdeckt. Man will es nicht wahr haben, dass an der eigenen Weise für Gott tätig zu sein, etwas Wesentliches auszusetzen sei.

Zweifellos stammt dieser Widerstand aus einer letztlich stolzen Haltung. Doch ist es schwer, sich darüber klar zu äußern, denn es handelt sich nicht um einen dummen, plumpen Stolz. Der Mangel liegt nicht so sehr in einer Erhebung über andere Menschen, nicht in einer Ablehnung, mit andern über Weisen des Apostolates zu diskutieren, ihre Meinungen zu hören oder auf Anregungen einzugehen. Dieser Stolz ist viel sublimer. Er liegt in der praktischen Verkennung der Tatsache, dass die Gnade des Apostolates in sehr verschiedenem Grad mitgeteilt wird und dass es von der Bereitschaft, die Stimme der selbstsüchtigen Natur verstummen zu lassen, abhängt, in welchem Grade diese Gnade geschenkt wird.

Dieser sublime Stolz, der in Wirklichkeit doch nur mit den eigenen Kräften rechnet, zeigt sich bei den einen in einem lähmenden Pessimismus, bei den andern in einer betont natürlichen Einstellung zu den Dingen, in der Sucht, durch irdische Lockmittel die Menschen zu fesseln oder in ihnen das Interesse an der Kirche zu wecken. Daraus muss sich von selbst eine bekla­genswerte Blindheit für die tatsächliche Gnadenführung Gottes ergeben.

Die Legion Mariens kann nicht erfasst werden, wenn man sie nicht als das ansehen will, was sie in Wirklichkeit ist, wenn man in ihr nicht “Maria am Werk” sehen will. Die Legion ist überzeugt, dass sie ihren Ursprung der Braut des Hl. Geistes zu verdanken hat, sie ist davon nicht nur Überzeugt, sondern sie sucht auch dieser Überzeugung gemäß zu leben. Sie stellt es ihren Mitgliedern mit aller Dringlichkeit vor Augen, dass sie erst in zweiter Linie ein Werk­programm erfüllen will. Sie legt ihren Angehörigen eher eine Lebensform nahe. Sie will in den einzelnen Legionären das innere Streben zum Guten verstärken; sie will in ihnen einen unerschütterlichen Glauben, ein unnachgiebiges Aufbieten aller Kräfte, eine unauslöschliche Liebe, eine stramme Disziplin großziehen. Sie will ihre Mitglieder immer mehr dahin brin­gen, immer für Gott bereit zu sein, immer für ihn “Schildwache zu stehen”, das Unmögliche zu wagen und sich doch auch mit der Rolle eines Lückenbüßers zufrieden zu geben.

Sie will dies alles, weil sie nach ihrer Überzeugung dem Gnadenzug entgegen handelte, wenn sie es unterließe, und weil sie ihre Existenz gleichsam davon hat, sich der Gnade zu öffnen, sich ihr zu unterwerfen. Wenn nun in der Legion Mariens eine Gemeinschaft vor uns ist, die wirklich unter dem Einfluss Gottes zustande kam, wenn es eine Gemeinschaft ist, der Gott das Ziel gesteckt hat, das Nachbild Mariens in sich zu gestalten und ihn dadurch auf das voll­kommenste zu ehren und Christus zu den Menschen zu tragen, dann muss es uns nicht wundern, dass sie ihre Wirksamkeit auf die ganze Welt erstreckt, dass sie die größten Dinge zu unternehmen sucht, dass sie den einzelnen Seelen nachgeht – dann kann es uns auch nicht wundern, dass diese Gemeinschaft ein ihr eigenes Brauchtum hat, das für jeden einzelnen eine Quelle mannigfaltiger Tugendübungen ist.

Die Legion ist die Legion der Mutter Gottes. Sie ist es nicht nach eigener Wahl, sondern auf Grund göttlicher Bestimmung. Wenn man dies erwägt, dann wird man sich hüten irgend etwas aus dem Legionssystem herauszubrechen, wie es gerade dem eigenen Gutdünken entspricht, man wird sich hüten, die Legion so leichthin abzuweisen oder sie anzunehmen, ohne ihr jene Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient. Solange man die Legion nicht als eine Gemeinschaft ansehen will, die unter dem Einfluss Gottes zustande kam und eine von Gott gesetzte Mission zu erfüllen hat, wird man ihr Wesen nie erfassen, ihr Geheimnis nie begreifen.

Vielleicht wird die vorliegende Schrift in vielen einen Gesinnungswechsel hervorrufen; vielleicht wird sie die Realität der Gnade ins Licht stellen können und das Verständnis dafür wecken, wie notwendig es ist, dass der Glaubensgeist die Triebfeder unserer Handlungen ist, so dass diese nicht nur zu Handlungen gläubiger Menschen, sondern zu glaubensvollen Handlungen werden.

Wenn wir es uns auch wünschen, dass die Erinnerungen Frank Duffs einem weiten Kreis das Verständnis für die Legion erschließen, so ist diese erhoffte Wirkung doch nicht dafür ausschlaggebend gewesen, diese Berichte, die zuerst in “Maria Legionis” erschienen sind, zu Übersetzen und herauszugeben. Zuerst sollten sie allen jenen bekannt gemacht werden, die sich schon um die Legionsstandarte geschart haben. Für die Legionäre sind diese Aufzeich­nungen vor allem hochbedeutsam. Sind sie doch neben dem Handbuch die eine Quelle, aus der am besten der Geist de, Legion erfasst werde, kann und da, Maß, mit dem der Legionär die eigene Arbeit und seine Einstellung auf die Echtheit, auf die Übereinstimmung mit dem Original prüfen kann.

Die Legionäre werden diese Lebenserinnerungen mit Spannung und Ehrfurcht lesen und aus ihnen einen großen Gewinn für ihr religiöses Leben ziehen.

Sie werden sie mit großer Spannung lesen; nicht nur, weil hier von gefährlichen Unterneh­mungen die Rede ist, deren Ausgang stets in der Schwebe liegt, sondern vielmehr deshalb, weil diese ersten Legionäre sich immer wieder vor schwierige Entscheidungen gestellt sahen, die von weittragender Bedeutung waren. Es waren immer Stimmen da, die zur Vorsicht mahnten, die davon abrieten, etwas zu unternehmen, was “normalen” Menschen als undurch­führbar, ja als verrückt erschien. Waren dies nicht Stimmen der Klugheit, der christlichen Klugheit? Es wurde anderseits auch gemahnt, den Weg weiter fortzusetzen, einen Weg, der die Existenz der Legion aufs Spiel setzte und vielleicht das Wohl vieler Menschen. Waren diese Mahnungen wirklich Eingebungen Gottes, entsprachen sie den Wünschen der seligsten Jungfrau? War es der gute Geist, der hier zu einem Heroismus des Glaubens drängte? Was sollte getan werden? Die Entscheidungen, die man treffen musste, konnten nicht nur richtig oder aus schuldloser Beschränktheit falsch sein; sie konnten auch aus menschlicher Schwäche oder Leidenschaft, aus einem Widerstand gegen die Gnade herrühren und das große Werk, das als Werk der Gnade begonnen hat, plötzlich oder langsam dem Ruin zuführen.

Mit Spannung lesen wir diese Berichte, denn wir erkennen: Hätten die ersten Legionäre es nicht verstanden, die Stimme der Gnade von der Stimme der Natur zu unterscheiden und Gott bis zum äußersten zu folgen, dann gäbe es heute wahrscheinlich keine Legion Mariens, zumindest keine die Welt umspannende Organisation – wir selbst wären wahrscheinlich nicht Legionäre und all das, was wir schon zur Rettung von Seelen unternommen haben, wäre aller Voraussicht nach nicht geschehen.

Wir lesen die Lebenserinnerungen Frank Duffs auch deshalb mit großer Spannung, weil die Probleme, die hier durch den Fluss der Ereignisse sichtbar werden, in kleinerem­ Maß­stab sich auch in jedem Land, in jeder Diözese, in jeder Curia, ja, in jedem Präsidium zeigen und weil das Wachstum oder der Niedergang der einzelnen Legionszweige vom Grad der Bereitschaft, sich von der Gnade führen zu lassen, abhängt, von einer Bereitschaft, die sich durch Taten als echt erweisen muss.

Die Geschichte des Ursprungs der Legion wird von uns aber auch mit großer Ehrfurcht gelesen werden, und zwar deshalb, weil dem kundigen Leser es nicht verborgen bleiben kann, welch religiöser Ernst hinter all den mit so köstlichem Humor beschriebenen Ereignissen steckt und weil es sehr deutlich wird, wie machtvoll Maria, die Braut des Hl. Geistes, an dem ganzen Geschehen beteiligt war.

Der Legionär wird also mit großem Interesse all das, was Frank Duff erzählt, aufnehmen, denn hier findet er die beste Einführung in den Geist seiner “heiligen Regel”, des Handbuches, hier lernt er erkennen, dass dieses Buch der Legion keine Übertreibung enthält, nichts, was nicht durch die Praxis, man möchte sagen, durch eine blutige Praxis erprobt wurde.

 

Nun sei noch auf einige Besonderheiten dieser Erinnerungen hingewiesen. Aus diesen Aufzeichnungen spricht uns eine ebenso tiefe, wie gesunde Gläubigkeit an. Mit der größten Selbstverständlichkeit wird die Führung durch die Mutter Gottes, durch übernatürliche Mächte angenommen. An ein göttliches Eingreifen, an eine göttliche Hilfe bei allen Unterneh­mungen wird geglaubt, wird in einer vollkommenen Weise geglaubt. Das heißt, es wird diese göttliche Unterstützung nicht in Gefühlen und Stimmungen, nicht in Erlebnissen besonderer Art, in Zeichen oder in Visionen, deren Herkunft nur schwer kontrolliert werden kann, erwartet oder gesucht; es wird an das göttliche Eingreifen vielmehr “nichtsehend geglaubt” und dieser lebendige Glaube ist es, der sowohl das Wagnis höchster Tugendübung ermög­licht, wie auch das Ausharren in Situationen, die, menschlich gesprochen, aussichtslos sind.

Jeder Legionär wird sich bei der Lektüre dieses Buches an jene Stellen des Handbuches erinnern, die von der Hingabe bis zum Letzten handeln und die es verurteilen, die verschiede­nen Fälle nach ihren natürlichen Erfolgsaussichten einzuschätzen.

Aus dieser tiefen Gläubigkeit ergibt sich weiterhin jene Einstellung, die nichts gering achtet, die das Kleinste berücksichtigt. Beachten wir, gleich zu Beginn des ersten Kapitels, die genaue, ins Einzelne gehende Schilderung der ersten Anfänge der Legion und immer wieder die Situationsschilderungen, die alle Umstände berücksichtigen und dennoch das große Ziel nie aus den Augen verlieren. Hier spricht jemand, der gleich weit von jener Geschäftigkeit und Kleinlichkeit entfernt ist, die an winzigen Dingen hängen bleibt und von jener falschen Großzügigkeit, die da meint, Großes ohne Gewissenhaftigkeit im Kleinen erreichen zu können.

Wenn wir diese Eigenart in der Haltung Frank Duffs beachten, verstehen wir besser, warum wir dazu gedrängt werden, alles genau und ernst zu nehmen, warum wir auch auf die klein­sten Dinge mit solcher Sorgfalt achten und beim Präsidiumstreffen alles mit höchster Genau­igkeit einhalten sollen. Wir verstehen, dass dies Selbsterziehung ist, dass diese Zucht doch nur ein Zeichen einer Selbstdisziplin ist und diese auch hervorruft, eine Selbstdisziplin, die es ablehnt, sich von Erwägungen leiten zu lassen, die von der menschlichen Natur allein kom­men, sondern überall sich den Absichten. Gottes zu unterwerfen trachtet. Es ist dies eine Vorbedingung zu jener geistigen Ruhe, die die Aufgaben der gegenwärtigen Stunde sehen lässt und auch die Wege, die zu ihrer Lösung zu gehen sind.

Dieser Sinn für das Kleinste und Größte, der sich nur aus der Schau der Dinge aus dem Glauben entwickelt zeigt sich in besonders ergreifender Weise in der Art der Begegnung mit den Mitmenschen. Was ist vom Standpunkt des Glaubens, der uns im Mitmenschen Christus sehen lässt, der von Maria betreut wird, kostbarer als eine Menschenseele! Mit welcher Sorgsamkeit wird hier den Seelen nachgegangen, um sie zu gewinnen, mit welcher Feinhörig­keit wird das zeitweise Pulsieren eines halb erloschenen Lebens aufgenommen und wie sorgsam der glimmende Funke zum Feuer angefacht. Mit welcher Umsicht wird all das getan, was das wahre Leben der Menschen fördern kann. Mit welcher Weitherzigkeit wird die Eigenart des Einzelnen anerkannt und versucht, aus jedem das Beste herauszuholen. In der Tat, hier fällt die Sorge um das Kleine und Große zusammen, denn alles ist letztlich eins, alles ist groß, sofern es nämlich die Betreuung Christi in seinen Brüdern ist.

Hier lernt der Legionär, was gemeint ist, wenn ihm Monat für Monat die regelmäßige Unterweisung gegeben wird, dem Betreuten gegenüber sich so zu verhalten, dass Maria in ihm Christus betreuen kann.

Auf viele einzelne Dinge könnte noch eingegangen werden, aber zweifellos wird dies in den einzelnen Legionspräsidien in gemeinsamer Arbeit geschehen. Nur dies eine sei am Ende noch erwähnt: An dem Ernst, dem Eifer und der Ehrfurcht, mit der der Legionär nach dieses Buch greift, in dem sein älterer Bruder und geistiger Vater lehrt, wie man für Christus die Welt erobern muss, kann jeder die Echtheit seines eigenen Berufes und die Folgsamkeit der Gnade gegenüber erkennen.

Friedrich W e s s e l y

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Herzlich Willkommen

„... unter der Führung Marias, die im Bild vor ihnen stand,
begannen sie zu überlegen,
wie sie Gott am besten gefallen und was sie tun könnten,
damit er in Seiner Welt geliebt werde.“

(Handbuch der Legion Mariens)

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