Du sollst den Tag des Herrn heiligen. Die Unerlässlichkeit der heiligen Messe am Sonntag

Prior P. Michael Fritz OSB

Zeichen des ewigen Bundes

„Achte auf den Sabbat: Halte ihn heilig, wie es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht hat” (Dtn 5,12). Der Sabbat war heilig und dem Herrn geweiht. Er erinnert an die Schöpfung und die Ruhe des Herrn am siebten Tag. Er hält dem Volk Israel die Errettung aus der Sklavenschaft Ägyptens lebendig. Der Sabbat ist für Israel dem Lobpreis Gottes, seines Schöpfungswerkes und seiner Heilstaten vorbehalten und geweiht. Gott hat Israel den Sabbat anvertraut als Zeichen des ewigen Bundes, den Gott mit seinem auserwählten Volk geschlossen hatte (vgl. Ex 31,16; Katechismus der Katholischen Kirche 2171).

Tag der Auferstehung des Herrn

„Am ersten Tag der Woche” (Mk 16,2), am Sonntag, ist Jesus von den Toten auferstanden. „Er ist für die Christen zum ersten aller Tage, zum ersten aller Feste geworden, zum ‚Tag des Herrn’” (KKK 2174). Der Sonntag erfüllt das Sabbatgebot und „kündigt die ewige Ruhe des Menschen in Gott” an (KKK 2175).
Die Heiligung des Tages des Herrn wird im ersten der fünf Gebote der Kirche konkretisiert: „Am Sonntag und an den anderen gebotenen Feiertagen an der Messe teilnehmen und keine Arbeiten und Tätigkeiten verrichten, welche die Heiligung dieser Tage gefährden” (KKK Kompendium, Anhang B). Der Kodex des kanonischen Rechts hält ausdrücklich fest: „An Sonntagen und an den anderen gebotenen Feiertagen sind die Gläubigen zur Teilnahme an der Messfeier verpflichtet” (CIC, can. 1248, § 1).

Schwerwiegende Gründe wie Krankheit oder die Betreuung von Säuglingen dispensieren den Gläubigen von seiner Pflicht, wer aber die Pflicht zur sonntäglichen Eucharistiefeier absichtlich versäumt, der begeht eine schwere Sünde (KKK 2181). Wem wegen Fehlens eines Priesters oder aus einem anderen „schwerwiegenden Grund die Teilnahme an der Eucharistiefeier unmöglich ist” (CIC can. 1248, § 2), der ist gleichermaßen vom Gebot der Kirche entbunden und begeht damit keine schwere Sünde. Für diesen Fall empfiehlt die Kirche sehr, an einem Wortgottesdienst (einer Andacht, dem gemeinsamen Rosenkranzgebet, dem Kreuzweg etc.) teilzunehmen. Es muss den Teilnehmern an solchen Gottesdiensten aber „immer erklärt werden, dass sie das eucharistische Opfer nicht ersetzen und dass man das Sonntagsgebot nur durch die Mitfeier der heiligen Messe erfüllt. In jenen Fällen, wo es die Entfernungen und physischen Umstände gestatten, müssen die Gläubigen angeregt und unterstützt werden, das Gebot möglichst zu erfüllen” (Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester, Vatikanstadt 1997, Art. 7, § 2). Demgemäß muss gesagt werden, dass jemand, der die Möglichkeit zur Eucharistiefeier in einer anderen Pfarrei hat und diese nicht wahrnimmt, objektiv eine  schwere Sünde begeht.
Der hl. Johannes Maria Vianney, der Pfarrer von Ars, sagte seinen Gläubigen: „Der Sonntag ist Gottes Eigentum, der Tag, der ihm gehört, der Tag des Herrn. Gott hat alle Tage der Woche gemacht, er könnte sie alle für sich beanspruchen. Sechs davon hat er uns gegeben und nur den siebten für sich zurückbehalten. Mit welchem Recht rührt ihr an etwas, was euch nicht gehört? Ihr wisst, dass ein gestohlenes Gut niemals Segen bringt, auch nicht der Tag, dem ihr dem Herrn nehmt. Ich kenne zwei Wege, wie man sicher arm wird: am Sonntag arbeiten und fremdes Gut sich aneignen.”

Gabe des Herrn

„’Sine dominico non possumus!’ ‚Ohne die Gabe des Herrn, ohne den Tag des Herrn können wir nicht leben’: So antworteten im Jahr 304 Christen aus Abitene im heutigen Tunesien, die bei der verbotenen sonntäglichen Eucharistiefeier ertappt und vor den Richter geführt wurden.” (Papst Benedikt XVI.).
Die Feier des Opfers Christi ist wesentlich und zentral für die Heiligung des Sonntags und lebenswichtig für die Heiligung des ganzen christlichen Lebens. Die Sonntagsmesse ist eine Pflicht und ein Gnadengeschenk des Herrn für seine Gläubigen, denn das Opfer des Herrn ist die Quelle des Heils und der Ursprung des neuen Lebens. Durch Christi Tod und Auferstehung sind wir eine neue Schöpfung (2 Kor 5,17). In der gläubigen Mitfeier der heiligen Messe erfüllt uns der Herr mit der Gnade der Heiligkeit. Er heiligt uns, damit wir ein Gott wohlgefälliges Opfer werden und Gott sichtbar, öffentlich und regelmäßig lobpreisen und anbeten können.

Es mag manchmal ein Opfer sein, in eine andere Pfarre zu gehen und dort die heilige Messe mitzufeiern. Doch sind wir es dem Lieben Gott schuldig, ihm die vollkommene und makellose Opfergabe, seinen Sohn Jesus Christus, darzubringen. Es ist das Opfer unserer Versöhnung mit Gott, die Quelle des Heiles und des Lebens. Kein Katholik darf sich dieser wunderbaren Gnade berauben lassen. Wer etwas anderes behauptet, der bedenke die Worte des Apostel Paulus: „Wer etwas anders lehrt und sich nicht an die gesunden Worte Jesu Christi, unseres Herrn, und an die Lehre unseres Glaubens hält, der ist verblendet; er versteht nichts” (1 Tim 6,3-4a).

„Bleibt in meiner Liebe” (Joh 15,9)

Es ist ein Privileg und eine unvorstellbar große Gnade, die heilige Messe mitfeiern zu können und den Leib und das Blut des Herrn im heiligsten Sakrament empfangen zu dürfen. „Könnten wir Christen doch verstehen, was der Herr uns sagt: ‚Trotz deiner Erbärmlichkeit möchte ich dich aus nächster Nähe sehen, deine schöne Seele, die ich für mich erschaffen habe. So groß habe ich sie gemacht, dass nur ich sie auszufüllen vermag, so rein, dass nur mein Leib für sie Nahrung sein kann.’ Mein Kinder, es gibt nichts Größeres als die Eucharistie. Wie ein Staubkorn vor einem Gebirge sind alle guten Werke auf Erden im Vergleich zu einer einzigen würdigen Kommunion” (hl. Johannes Maria Vianney).
Wer begreift die Würde, die uns eignet, dass wir vom Herrn gerufen sind, eins zu sein mit ihm? Die Eucharistiefeier ist das bleibende Geschenk Christi, um in seiner Liebe zu bleiben. Die Mitfeier der heilige Messe Sonntag für Sonntag und an jedem Feiertag ist uns von der Kirche zur Pflicht gemacht, damit die Einheit mit dem Auferstandenen erneuert und vertieft werde. „Wer die heilige Eucharistie empfängt, verliert sich in Gott wie ein Wassertropfen im Ozean. Man kann sie nicht mehr von einander trennen. Wenn nach der Kommunion uns jemand mit der Frage überraschte: ‚Was tragt ihr mit euch nach Hause?’ so könnten wir antworten: ‚Wir tragen den Himmel mit uns fort.’ Das trifft genau zu.” Der hl. Pfarrer von Ars zeigt uns in diesen Worten, den ganzen Reichtum, den unerhörten Schatz, der die Eucharistie für uns Katholiken ist.

Wie weit dürfen gehen?

Im Weinviertel gab es in meiner Kindheit noch die Volksweisheit: „Für einen Primizsegen läuft man sich einen Schuhdoppler (doppelte Sohle) durch.” Wie weit sind Sie bereit zu gehen – für eine heilige Messe?
Ein junger Legionär, der ein Jahr in der Ukraine als Ausbreitungsarbeiter der Legion Mariens gearbeitet hat, erzählte nach seiner Rückkehr: Katholiken in der Ukraine sparen oft die ganze Woche, damit sie sich am Sonntag den Autobus leisten und in die 80 km entfernte Stadt fahren können, wo es einen katholischen Priester gibt, um dort die heilige Messe mitzufeiern.
Msgr. Athanasius Schneider, Weihbischof von Karaganda in Kasachstan, erzählt in seinem Büchlein „Dominus est” (Es ist der Herr) von Maria Stang, einer Wolgadeutschen, die von den Kommunisten nach Kasachstan deportiert worden war: „Schon als junges Mädchen wollte sie ihr Leben Gott weihen. Durch die kommunistische Verfolgung und die Deportation wurde ihr Lebensweg sehr schmerzvoll. Maria Stang schrieb in ihren Erinnerungen: ‚Sie haben uns die Priester weggenommen. Im nahen Dorf gab es noch die Kirche, aber leider keinen Priester mehr. Aber ohne den Priester, ohne das Allerheiligste war die Kirche so kalt. Ich musste bitterlich weinen.’
Von da ab begann Maria, jeden Tag zu beten und Gott Opfer zu bringen mit den folgenden Worten: ‚Herr, gib uns wieder einen Priester, gib uns die heilige Kommunion! Ich erleide gerne alles aus Liebe zu Dir, o heiligstes Herz Jesu!’ …
Vom Jahr 1965 an konnte Maria Stang einmal im Jahr nach Kirgistan reisen, wo ein katholischer Priester im Exil lebte (in einer Entfernung von über 1000 km). In den entlegenen Dörfern des östlichen Kasachstan sahen die katholischen Deutschen schon seit über 20 Jahren keinen Priester mehr. Maria schrieb: ‚Als ich in Frunse in Kirgistan ankam, fand ich einen Priester. Als ich sein Haus betrat, sah ich einen Tabernakel. Ich hatte mir nicht vorstellen können. dass ich in meinem Leben noch einmal einen Tabernakel und den Herrn in der Eucharistie sehen würde. Ich kniete nieder und begann zu weinen. Dann näherte ich mich dem Tabernakel und küsste ihn.’ Bevor sie in ihr Dorf in Kasachstan zurückreiste, übergab ihr der Priester eine Büchse mit einigen konsekrierten Hostien. Als sich die Gläubigen zum ersten Mal in der Gegenwart des Allerheiligsten versammelten, sagte Maria zu ihnen: „Wir haben eine Freude und ein Glück, wie es sich keiner vorstellen kann: Wir haben den Herrn in der Eucharistie unter uns und dürfen ihn empfangen.’ Die Anwesenden antworteten: ‚Wir können die Kommunion nicht empfangen, denn wir haben schon seit so vielen Jahren nicht mehr gebeichtet.’ Dann berieten sich die Gläubigen untereinander und fassten folgenden Entschluss: ‚Die Zeiten sind so schwierig und da uns das Allerheiligste aus mehr als 1000 km gebracht wurde, wird uns Gott gnädig sein. In geistiger Weise wollen wir in den Beichtstuhl vor den Priester treten. Wir wollen einen Akt der vollkommenen Reue erwecken und jeder von uns wird sich einen Buße auferlegen.’ So taten es alle und dann empfingen sie kniend und unter Tränen die heilige Kommunion. Es waren gleichzeitig Tränen der Reue und der Freude.”

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Herzlich Willkommen

„... unter der Führung Marias, die im Bild vor ihnen stand,
begannen sie zu überlegen,
wie sie Gott am besten gefallen und was sie tun könnten,
damit er in Seiner Welt geliebt werde.“

(Handbuch der Legion Mariens)

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