Einsatz in der Ukraine: ein Jahr mit Folgen

Elisabeth Kriss ist Lehrerin in Vorarlberg, gehört seit vielen Jahren der Legion an und hat schon mehrere längere Einsätze für die Legion Mariens in Sibirien geleistet. Auf Bitte des Conciliums der Legion Mariens verbrachte sie jetzt ein Jahr in der Ukraine.

Elisabeth Kriss

Elisabeth Kriss

Als das Concilium mich bat, ein Jahr beruflich frei zu nehmen, um die Muttergottes in die Ukraine zu begleiten, tat ich es gerne. Die Ukraine ist ein riesengroßes, wunderschönes postkommunistisches Land, in dem Maria nur über sechs Curien (davon ein Comitium) und zwei einzelne EP verfügte.

Den Samen dazu hatte das schottische Legions-Ehepaar Bill und Morag Mitchell in jahrelanger Aufbauarbeit gelegt, manches war gewachsen, aber vieles war wieder zugrunde- oder nicht aufgegangen. 

Ehepaar Mitchell

Ehepaar Mitchell

 

 

 

 

Für mich stellte sich die Frage: „Was können wir tun, dass Gott mehr geliebt wird?” Die Legion Mariens dort aufbauen, wo es sie noch nicht gibt. Zuvor wollte ich den Segen der Bischöfe erbitten, denn im Jahr 2004 wurden aus den drei Diözesen sieben gemacht. Somit war das Programm klar.
Doch es kam anders, und somit wurde die erste Spielregel gleich festgelegt: es ist gut, einen Plan zu haben, aber Gott wirft ihn immer wieder durcheinander, weil Er einen besseren hat, den Er aber nur in Teilstücken zeigt. Die Bischöfe waren nach Rom gefahren.

Es ist Marias Ukraine

Es ist Marias Ukraine

Ich lernte zuerst einmal einige Besonderheiten der Ukraine: Anstelle eines eigenen Fahrzeugs ist man auf öffentliche Verbindungen angewiesen. Hinzu kommt der Umstand, dass es sich viele Legionäre nur am Sonntag leisten können, zur Kirche bzw. zum Präsidium zu gehen, denn die Entfernungen sind groß und die Fahrkartenpreise hoch. Uns oft selbstverständlicher Dinge wie legionsgemäße Marienstatuen, Original-Tesserae, passende Kerzenständer und Vasen, Handbücher, Frank-Duff-Gebete fehlen. Von ein- oder weiterführender Legionsliteratur träumte ich gar nicht mehr.
Ukrainisch unterscheidet sich vom Russischen nur zu etwa einem Drittel, ähnlich wie beim Wiener, Schweizer und Hamburger Dialekt. Es ging also um eine Haltung der Achtung, des Hinhörens. So kamen mir die vielen Winterschulen und PPC-Einsätze nicht nur von der Legionserfahrung her, sondern auch sprachlich zugute.
Diese ersten Wochen gaben mir die Gelegenheit, die Legionäre der Curia etwas Wichtiges zu lehren: die Legion Mariens ist eine Familie. Bei Kurzbesuchen war es nie möglich, Freundschaft unter Beweis zu stellen und nicht nur von ihr zu reden. In postkommunistischen Ländern hat man schlimme Erfahrungen mit einem allgegenwärtigen Überwachungsapparat. Aber Berichte basieren auf Vertrauen und Wohlwollen, und das muss zuerst entgegengebracht werden, bevor die Struktur eingefordert wird. Nebenbei übersetzten wir alle jene Unterlagen auf Ukrainisch, die einfach unabdingbar sind: Agenda für Präsidien und Curien, Berichte der Legionäre und Präsidien, Fahrkostenabrechnung und Visitationsformular.
Danach ging es endlich los. Zusammen mit schon zweijährigen Legionären eines einzelnen Präsidiums begannen wir, rundum in den Nachbarpfarren auszubreiten, wobei 50 km Entfernung (also 2 Stunden für einen Weg) normal waren. Während der Wochentage besuchten wir die Bischöfe, die die Legion alle mit Achtung und Liebe aufnahmen, wer sie schon kannte, mit Freude.
Ein Hilfeschrei aus Kiew veranlasste das Concilium, mich für einen Monat in die Hauptstadt zu senden. Aber wie immer, so auch hier: kaum hatten wir ein wenig arbeiten können, hatten ein paar Herzen gewonnen, die Hingabe wirklich konkret in der Legion zu leben, da hieß es schon wieder: „Weiter, weiter, die Zeit drängt! Überlass es der Gnade, was daraus wird.”
Curiengründungen
Am 2.Februar folgte die erste Curiengründung, der noch drei weitere im Osten und Süden folgen sollten. Nach der Erlaubnis des Conciliums und des Bischofs sowie der Ernennung des Geistlichen Leiters machten wir es zumeist so: Vormittags besprachen wir mit den Amtsträgern und anderen Legionären jeweils Wesen und Aufgaben einer Curia. Nach dem Mittagessen fand dann das 1.Treffen mit der Wahl der Amtsträger statt. Die Hand Mariens bzw. ihr Ruf waren dabei spürbar.
Zugegeben, es war ein hartes Ringen im Gebet, ob man 2-3 Monate alte Präsidien zu einer Curia zusammenschließen darf, wenn weit und breit kein Comitium ist; ob so junge Legionäre einer solchen Aufgabe gewachsen sein können. Aber die Erfahrung, dass die früheren Ausbreitungen in der Ostukraine allesamt gestorben waren, weil sie keine Curia in akzeptabler Entfernung hatten – 4-8 Stunden Fahrzeit für einen Weg ist sogar für uns schwierig, wo es am Geld nicht hapert – und das Vertrauen, dass Maria es richten wird, wie sie es für ihre Legion will, gaben dann doch den Frieden. Nun liegt es in der Hand der Korrespondenten, diese jungen Curien umsichtig und liebevoll in Gebet und Brief zu begleiten.

Amtsträgerwahlen Curia Rowno

Amtsträgerwahlen Curia Rowno

 In meinem Korrespondenten im Concilium hatte ich eine große Hilfe: Ich konnte auf Deutsch schreiben (was mir auch immer mehr Mühe bereitete), bekam konkrete Antworten auf alles, was ich nicht wusste – z.B. bei Ratsgründungen – einfach weil ich es in Österreich noch nie erlebt, geschweige denn organisiert hatte. Wenn ich vor Ort in Gefahr war, mich zu verzetteln, so leitete mich doch der Blick des Conciliums aufs Ganze. Und doch verließ sich das Concilium in manchen Dingen auf meine Entscheidung, einfach weil ich vor Ort die Lage, die konkrete Situation der Legion und der Kirche besser beurteilen konnte. Wie weit weg ist die Legion doch von einer zentralistischen, besserwisserischen Diktatur, die aus der farbigen Welt einen Einheitsbrei macht!
Sommerschule
Das wohl größte Wunder war die erste Sommerschule der Legion Mariens in der Ukraine. Viele Jahre schon war sie ein Traum; manche Priester forderten von der Legion Mariens konkrete Weiterbildung der Legionäre mit viel Kapital aus dem Ausland. Nachdem sich die Sache als richtig und notwendig erwiesen hatte, wendete sich jedoch das Blatt: „Das ist unmöglich!”, hieß es von allen Seiten. „Man kann nicht alle Sprachen (Ukrainisch, Russisch, Polnisch, Ungarisch) vereinen.” „Die Entfernung ist zu groß.” „Die Legionäre haben kein Geld.” Doch da ich um die Richtigkeit wusste, hielt ich mich an den Ausspruch von Edel Mary Quinn, der mich schon seit frühen Legionstagen begleitet. „Das Unmögliche ist auch anderswo geschehen. Warum nicht auch hier? Lassen wir Glaube und Gnade walten!” Und so fanden sich genau zum Geburtstag von Frank Duff 45 Legionäre aus Ost und West, von Nord und Süd, Alte und Junge, Erfahrene und Neue, bei der Muttergottes von Letitschew ein. Den Ablauf der Sommerschule hatten wir von Österreich übernommen und nur geringfügig dem ukrainischen Zeitverständnis angepasst. Auch die neuen, einheitlichen Tesserae und die Seligsprechungsgebete waren gerade fertig geworden. Eine wunderbare Einheit lag über allem, Maria hat die ansonsten so zerrissene Ukraine geeint. 

Sommerschule Letischew

Sommerschule Letischew

 Mein besonderer Dank gilt allen Legionären und Hilfslegionären, denn ohne ihr Gebet und Opfer, ohne ihre Treue wären nie so viele Gnaden über die Ukraine gekommen. Aber auch finanziell: unser „Ganz-Dein” auch in der Beutelkollekte ist eine notwendige Form der Liebe zu Maria, zu ihrer Legion, zur Kirche in ärmeren Diözesen. Dank gilt aber auch den vielen Legionären, die uns in Österreich mit scheinbar selbstverständlichen Dingen verwöhnen, die in der Ukraine erst aufgebaut werden müssen: Materialstelle, Senatus- und Conciliumsberichte, Regina Legionis, Sommer-/Winterschule. … Ohne den reichen Schatz, den ich selbst in der Legion Mariens schon empfangen habe, hätte ich den Legionären und Priestern niemals so viel weitergeben können. Nun kann ich in Österreich zurückgeben, was ich in der Ukraine gelernt habe. Es bleibt nun einmal der eine Dienst: Totus Tuus.

Neue Verantwortung für Österreich
Nach reiflichem Überlegen und Überbeten hat nun das Concilium den Senatus Österreich gebeten, die Ukraine unter seine Obhut zu nehmen. Maria verfügt nun nämlich über etwa 500 Legionäre in 11 Curien und 3 einzelnen Präsidien, doch die meisten von ihnen sind noch sehr jung und brauchen nicht nur unser Gebet, sondern liebevolle konkrete Weiterführung. Ich sehe das als eine große Ehre an, aber auch als eine ganz natürliche Verantwortung, denn wer so viel empfangen hat wie wir, muss es mit den anderen teilen. Die geschichtliche Sonderstellung Österreichs, das sich ohne politische Ansprüche nun kirchlich um seine ehemaligen Kronländer kümmert, muss als klarer Gang der Vorsehung angesehen werden. Natürlich ist eine neue Aufgabe auch eine neue Herausforderung, denn die Ukraine ist ein riesengroßes Land verglichen mit dem kleinen Österreich. Aber, ehrlich gesagt, wer schafft es, ein Nachzüglerkind abzulehnen, nur weil die großen Kinder (sprich: die anderen Nachbarländer Österreichs, die nun z. T. schon der Leitung des Conciliums unterstellt sind) schon recht selbständig sind? Wie sollten wir sonst an der Mutterschaft Mariens an den Seelen teilnehmen?

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Herzlich Willkommen

„... unter der Führung Marias, die im Bild vor ihnen stand,
begannen sie zu überlegen,
wie sie Gott am besten gefallen und was sie tun könnten,
damit er in Seiner Welt geliebt werde.“

(Handbuch der Legion Mariens)

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