Geheimnis ehelicher Liebe (Humanae vitae – 40 Jahre danach)

 Bischofsvikar Christoph Casetti, Chur

 Vor gut 40 Jahren veröffentlichte Papst Paul VI. die Enzyklika „Humanae vitae”. Von diesem Schreiben wissen die meisten nur so viel, dass der Papst die Empfängnisverhütung ablehnte. Dieses Nein zur Verhütung löste damals die vielleicht grösste Autoritätskrise innerhalb der Kirche aus. Die Emotionen gingen hoch. Im Abstand von 40 Jahren können wir diesem Dokument wohl gelassener begegnen. Wir spüren, dass es dem Papst vor allem darum geht, die Heiligkeit von Ehe und Familie zu schützen.

Er geht dabei von einer Gesamtschau des Menschen aus, der als Mann und Frau von Gott geschaffen ist. In der Liebe von Mann und Frau soll etwas von der Liebe der göttlichen Personen, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes erfahrbar werden. Von dieser Gesamtschau her ergibt sich die Eigenart der ehelichen Liebe. Der Papst nennt vier Eigenschaften dieser Liebe:

Liebe ist vollmenschlich

Liebe ist vollmenschlich

1. Sie ist vollmenschlich, das heisst sinnenhaft und geistig zugleich. “Sie entspringt darum nicht nur Trieb und Leidenschaft, sondern auch und vor allem einem Entscheid des freien Willens, der darauf hindrängt, in Freud und Leid des Alltags durchzuhalten, ja dadurch stärker zu werden… ” (9).

2. Sie ist ganzheitlich. Es geht in ihr um eine personale Freundschaft, die den anderen ohne Vorbehalt liebt. Sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sondern nimmt den anderen  als Ganzen so an, wie er ist.

3. Als Abbild der Treue Gottes zum Menschen ist die eheliche Liebe treu und ausschliesslich bis zum Ende des Lebens: “… so wie sie Braut und Bräutigam an jenem Tag verstanden, da sie sich frei und klar bewusst durch das gegenseitige eheliche Jawort aneinander gebunden haben” (9).

Liebe ist fruchtbar

Liebe ist fruchtbar

4. Als wirksames Zeichen der schöpferischen Liebe Gottes ist diese Liebe schliesslich fruchtbar.

 Ist das nicht eine Kennzeichnung der ehelichen Liebe, wie wir alle sie uns im Grunde unseres Herzens vorstellen und wünschen: vollmenschlich, ganzheitlich, treu und ausschliesslich sowie fruchtbar? Mit diesen Eigenschaften können die ehelichen Beziehungen gelingen.

Bei der Weitergabe des Lebens dürfen die Eltern unmittelbar mit dem Schöpfergott zusammenwirken. Verantwortete Elternschaft im Sinne der Kirche überlässt den Ehegatten die Entscheidung über die Zahl ihrer Kinder und über den Abstand der Geburten. Sie ermutigt die Eltern zu einer grösseren Kinderzahl, aber sie respektiert auch berechtigte Gründe für wenige Kinder.

Verantwortete Elternschaft

Wenn die Kirche einerseits für verantwortete Elternschaft ist und andererseits die Verhütung ablehnt, wie soll dann die Familienplanung geschehen? Die Kirche empfiehlt und fördert die sogenannte natürliche Empfängnisregelung. Dabei lernen die Frauen, die fruchtbaren und unfruchtbaren Phasen ihres Zyklus sicher zu unterscheiden. Dieser Zyklus ist ein Geschenk des Schöpfers. Wenn die Ehegatten aus berechtigten Gründen auf die Weitergabe des Lebens verzichten wollen, wählen sie für ihr Zusammenkommen die unfruchtbare Phase des Zyklus und üben an den relativ wenigen fruchtbaren Tagen Enthaltsamkeit. Die Enthaltsamkeit ist nicht eine Zeit ohne Liebe, sondern eine Zeit, in der die Liebe auf andere Weise zum Ausdruck gebracht wird. Durch dieses leibliche Verhalten respektieren die Gatten den inneren Zusammenhang von ehelicher Liebe und Weitergabe des Lebens. Sie lernen, im Gespräch miteinander zu bleiben und auf einander Rücksicht zu nehmen.

Paul VI. hat schon vor 40 Jahren die Befürchtung geäussert, die Verhütungsmentalität werde zu einer Destabilisierung von Ehe und Familie führen. Die Entkoppelung von Sexualität und Fortpflanzung werde dazu führen, dass Männer die Frauen nicht mehr als Person respektieren, sondern als ein Objekt der Triebbefriedigung ansehen. Regierungen werden versucht sein, sich in die Freiheit der Eltern einzumischen. Sie könnten Verhütung als Druckmittel in der Bevölkerungspolitik einsetzen. Alle Voraussagen des Papstes haben sich erfüllt. Die sexuelle Freizügigkeit schon der Jugendlichen behindert deren persönliche Reifung. Die Destabilisierung der Ehen und damit der Familien hat sehr stark zugenommen. Das führt wiederum zu Bindungsangst und Bindungsunfähigkeit. Die Abtreibungen lassen sich mit Verhütung nicht wirksam bekämpfen. Dazu kommt, dass die Grenze zwischen Abtreibung und Verhütung fliessend geworden ist. Manche Verhütungsmittel wirken auch frühabtreibend. Sie verhindern nämlich die Einnistung des Embryos in die Gebärmutter. Reiche Nationen haben die Entwicklungshilfe an die Bedingung geknüpft, dass Verhütung zur Pflicht gemacht wird. Die demographische Lage ist inzwischen besorgniserregend. Die europäischen Völker ersetzen die Generationen nicht mehr. Sie sind zu sterbenden Völkern geworden. Allein um die Generationen zu ersetzen, braucht es etwas mehr als 2 Kinder pro Familie.

Liebe und Fruchtbarkeit gehören zusammen

Die Entkoppelung von Sexualität und Fruchtbarkeit führt auch auf der Seite der Fortpflanzung zu äusserst problematischen Entwicklungen. Die neuen Fortpflanzungstechnologien verbrauchen unzählige Embryonen. Sie zerstören das Leben von Kindern in ihrer ersten Lebensphase. Sie sind nicht einmal besonders effizient. Übrigens gibt es inzwischen auf der Basis von verfeinerten Zyklusstudien Behandlungen von unfruchtbaren Paaren, welche eine höhere Erfolgsrate aufweisen als die In-vitro-Fertilisation.

Verhütung gehört zur Kultur des Todes, von der Papst Johannes Paul II. immer wieder gesprochen hat. Viele sind sich dessen nicht bewusst, weil ihnen dieses Zusammenhänge nicht aufgezeigt wurden. Es geht mir deshalb hier auch in keiner Weise darum, irgend jemandem einen moralischen Vorwurf zu machen. Ich möchte lediglich aufzeigen, wie die Kirche die Schöpfungsordnung versteht.

Der christliche Geist kann sich in den Familien nur dann entfalten, wenn wir in der Ehe und in der Familie die Schöpfungsordnung wieder zu respektieren lernen. Solange wir uns um die Wahrheit herum mogeln, welche in der Enzyklika „Humanae vitae” enthalten ist, werden unsere Ehen und Familien nicht gesunden können.

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„... unter der Führung Marias, die im Bild vor ihnen stand,
begannen sie zu überlegen,
wie sie Gott am besten gefallen und was sie tun könnten,
damit er in Seiner Welt geliebt werde.“

(Handbuch der Legion Mariens)

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