Die religiöse Ausrichtung der Legion Mariens

Aus dem Handbuch der Legion Mariens, S. 31 – 39

Die religiöse Ausrichtung der Legion spiegelt sich in ihren Gebeten wider. Das Fundament der Legion ist in erster Linie ein tiefer Glaube an Gott und an die Liebe Gottes zu seinen Kindern. Gott will große Ehre aus unseren Bemühungen erlangen; er will sie läutern und fruchtbar und beharrlich machen. Wir schwanken zwischen zwei Extremen: bald sind wir völlig teilnahmslos, bald fieberhaft besorgt, weil wir meinen, Gott schaue uns bei der Arbeit nur von ferne zu. Im Gegenteil! Begreifen wir doch, dass wir die gute Absicht nur deshalb haben, weil er sie uns eingepflanzt hat, und dass wir sie nur verwirklichen können, wenn er uns immerfort stützt! Ihm liegt viel mehr daran als uns, ob die Arbeit, die wir gerade tun, Erfolg hat oder nicht. Wir bemühen uns um eine Bekehrung – er wünscht sie unendlich stärker als wir. Wir wollen heilig werden – er ersehnt es Millionen Mal mehr als wir.

Dieses Wissen muss für die Legionäre die stärkste Stütze sein: Gott, ihr guter Vater, ist ihnen nahe und begleitet sie bei ihrer doppelten Aufgabe, heilig zu werden und dem Nächsten zu dienen. Nichts kann sich dem Erfolg entgegenstellen, ausgenommen Mangel an Vertrauen. Wenn wir nur genug Glauben haben, wird Gott uns benützen, ihm die Welt zu erobern. „Denn alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt. Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat, unser Glaube.” (1 Joh 5,4) „Glauben will besagen, sich der Wahrheit des Wortes des lebendigen Gottes zu ,überantworten’, obwohl man darum weiß und demütig anerkennt, ,wie unergründlich seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege sind’ (Röm 11,33). Maria, die sich nach dem ewigen Willen des Höchsten sozusagen im Mittelpunkt jener ,unerforschlichen Wege’ und jener ,unergründlichen Entscheidungen’ Gottes befindet, verhält sich im Halbdunkel des Glaubens entsprechend, indem sie mit offenem Herzen alles voll und ganz annimmt, was in Gottes Plan verfügt ist.” (RMat 14) 

1. Gott und Maria

Nach der Liebe zu Gott ist die Legion auf die Verehrung Marias gegründet, ist sie ja „das unsagbare Wunder des Allerhöchsten” (Papst Pius IX.). Was ist aber Maria im Verhältnis zu Gott? Wie alle Erdenkinder hat er auch sie aus nichts hervorgebracht; und obwohl er sie seither auf eine Stufe von unermesslichen und unfassbaren Gnaden erhoben hat, bleibt sie dennoch im Vergleich zu ihrem Schöpfer ein Nichts. Ja, sie ist sogar weit mehr sein Geschöpf als alle anderen, denn er hat in ihr mehr gewirkt als sonst in irgendeinem seiner Geschöpfe. Je Größeres er an ihr tut, desto mehr wird sie zum Werk seiner Hände.

Großes hat er an ihr getan. Von Ewigkeit her war das Bild Marias gemeinsam mit dem Bild des Erlösers seinem Geist gegenwärtig. Er bezog sie zutiefst in seine Gnadenpläne mit ein, denn er machte sie zur wahren Mutter seines Sohnes und all jener, die mit seinem Sohn vereint sind. Das alles tat Gott, weil er von Maria selbst eine großmütigere Antwort empfangen würde als von allen anderen reinen Geschöpfen zusammen. Zudem aber wollte Gott dadurch auf eine Weise, die unser Verstand kaum fassen kann, jene Verherrlichung mehren, die er auch von uns erhalten würde. Danken wir also Maria mit Gebet und liebendem Dienst, so entziehen wir Gott nichts: Er selbst hat sie ja zu unserer Mutter und zur Helferin unseres Heils gemacht. Was wir Maria geben, gelangt voll und ganz an Gott. Doch hier wird nicht nur unvermindert weitergegeben, hier findet eine Vermehrung statt: Maria ist mehr als ein treuer Überbringer. Gott hat sie seinem Heilsplan in solcher Weise als lebenswichtiges Element eingefügt, dass nun mit Marias Dasein seine Herrlichkeit wie auch unsere Gnade umso größer sind.

Wie es dem Ewigen Vater gefällt, durch Maria die Huldigungen zu empfangen, die wir ihm widmen, so hat er auch in seinem gnädigen Wohlgefallen Maria zum Weg bestimmt, auf dem der reiche Strom seiner freigebigen Güte und Allmacht zu den Menschen gelangen soll. Das beginnt schon mit der Ursache aller Gnade: der Zweiten Göttlichen Person, die Mensch geworden ist und damit unser wahres Leben, unsere einzige Rettung. 

2. Maria, Mittlerin aller Gnaden

Das Vertrauen der Legion in Maria ist grenzenlos, weiß sie doch, dass durch Gottes Ordnung Marias Macht ohne Grenzen ist. Alles, was er Maria geben konnte, hat er ihr gegeben. Alles, was sie empfangen konnte, hat sie in Fülle empfangen. Um unseretwillen hat Gott sie als einzigartigen Gnadenweg eingesetzt. Wenn wir in Vereinigung mit ihr handeln, nähern wir uns Gott in wirkungsvollerer Weise und erhalten somit reichere Gnaden. Ja, wir stellen uns mitten in den Strom der Gnade, denn Maria ist die Braut des Heiligen Geistes: Sie ist der Weg für jede Gnade, die Jesus Christus uns erworben hat. Wir empfangen nichts, was wir nicht ihrem hilfreichen Eingreifen verdanken. Sie begnügt sich nicht, uns alles zu übermitteln. Sie erlangt alles für uns. Durchdrungen vom Glauben an diesen Dienst Marias ermutigt die Legion alle Mitglieder, diesen Glauben als eine besondere geistliche Einstellung zu pflegen. 

3. Maria, die Unbefleckte

Ein zweiter Aspekt der Marienverehrung der Legion gilt der Unbefleckten Empfängnis. Schon beim allerersten Treffen beteten und planten die Mitglieder vor einem Altar der Unbefleckten Empfängnis. Der gleiche Altar ist auch heute Mittelpunkt jedes Treffens. Mehr noch: Man könnte sagen, der erste Atemzug der Legion war ein Gebet zu Ehren dieses Vorrechts Unserer Lieben Frau, das die Vorbereitung auf alle ihre weiteren Würden und Vorrechte bildete.

Mit demselben Wort, mit dem Gott uns zum ersten Mal Maria verheißen hat, weist er auch auf ihre Unbefleckte Empfängnis hin. Dieses Vorrecht gehört zu ihr: Maria ist die Unbefleckte Empfängnis. Und zusammen mit diesem Vorrecht wird seine wunderbare Folge vorausgesagt: die Gottesmutterschaft, das Zertreten des Schlangenhauptes in der Erlösung und Marias Berufung zur Mutter der Menschen.

„Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse.” (Gen 3,15)

Aus diesen Worten des allmächtigen Gottes an Satan schöpft die Legion Vertrauen und Kraft in ihrem Kampf gegen die Sünde. Mit allen Kräften strebt die Legion danach, ganz und gar „Nachwuchs” zu werden, Kinder Marias; denn das verbürgt ihr den Sieg. In demselben Maß, in dem sie Maria immer mehr als ihre Mutter annimmt, wächst die Feindschaft zwischen der Legion und den Mächten des Bösen, und umso größer ist der Sieg. 

4. Maria, unsere Mutter

Wenn wir aber als Kinder Anspruch auf das Erbe erheben dürfen, müssen wir die Mutterschaft ehren, von der es stammt. Der dritte Blickpunkt der Marienverehrung der Legion ist die besondere Verehrung Marias als unserer wirklichen Mutter, denn sie ist es tatsächlich.

Maria stimmte den Worten des Engels in Demut zu: „Ich bin die Magd des Herrn: mir geschehe, wie du es gesagt hast.” (Lk 1,38) So wurde sie Mutter Christi und unsere Mutter. Diese ihre Mutterschaft wurde in jenem Augenblick verkündet, in dem sie ihr volles Ausmaß erreichte – als die Erlösung vollbracht wurde. Inmitten des Leides auf Kalvaria sagte Jesus vom Kreuz herab zu Maria: „Frau, siehe, dein Sohn!” und zu Johannes: „Siehe, deine Mutter!” (Joh 19,26f.) Über den heiligen Johannes waren diese Worte an alle Erwählten gerichtet. Indem Maria durch ihr Ja und durch ihr Leid voll und ganz bei dieser geistlichen Geburt der Menschheit mitwirkte, wurde sie im vollsten und vollkommensten Sinn unsere Mutter.

Wir sind tatsächlich ihre Kinder, und deshalb müssen wir uns auch wie Kinder verhalten, ja, sogar wie ganz kleine Kinder, die von ihrer Mutter völlig abhängig sind. Wir müssen erwarten, dass sie uns nährt, uns lehrt und leitet, unsere Wunden heilt, uns tröstet, wenn wir Kummer haben, uns rät, wenn wir im Zweifel sind, uns zurückruft, wenn wir in die Irre gehen. Ganz ihrer Sorge anvertraut, sollen wir Jesus, unserem älteren Bruder, immer ähnlicher werden und teilhaben an seiner Sendung, die Sünde zu bekämpfen und zu besiegen. 

5. Die Frömmigkeit der Legion Mariens ist die Wurzel ihres Apostolats

Es soll eine der liebsten Pflichten der Legion sein, die rückhaltlose Hingabe an die Gottesmutter zu zeigen. Das kann nur durch die Mitglieder verwirklicht werden. Deshalb ist jedes von ihnen aufgerufen, sich durch ernsthafte Betrachtung und eifriges Tun daran zu beteiligen.

Wenn die Hingabe in Wahrheit ein Tribut sein soll, den die Legionäre entrichten, dann muss sie ein wesentlicher Teil der Legion sein – verpflichtend für die Mitglieder wie das wöchentliche Treffen oder die aktive Arbeit. Alle müssen in vollkommener Einheit an ihr Anteil haben. Von dieser Überzeugung kann kein Mitglied tief genug durchdrungen sein.

Doch diese Einheit ist etwas äußerst Zerbrechliches, denn bis zu einem gewissen Grad hat jedes Mitglied Einfluss auf sie und kann sie zerstören. Da ist jedem Einzelnen eine ernste Verantwortung übertragen. Wenn die Einheit fehlt, wenn die Legionäre sich nicht „als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen lassen” (vgl. 1 Petr 2,5), dann ist ein im Aufbau der Legion lebensnotwendiger Teil unvollständig. In demselben Ausmaß, in dem die „lebendigen Steine” darin versagen, wird das gesamte System der Legion zerfallen – eine Ruine, die keinen Schutz gewährt, so dass es Mühe kostet, die Mitglieder am Fortgehen zu hindern. Und noch viel weniger werden hier große und heilige Eigenschaften sich entfalten oder heldenhafte Bemühungen ihren Ausgangspunkt haben können.

Erfüllt aber jeder Legionär nach besten Kräften diese Forderung des Legionsdienstes, wird sich die Legion im Besitz einer wunderbaren Einheit von Geist, Ziel und Tat finden. Diese Einheit ist vor Gott so kostbar, dass er ihr unwiderstehliche Macht verliehen hat. Wenn wahre Marienverehrung also schon für den Einzelnen ein besonderer Weg der Gnade ist, was wird sie dann einer Organisation bringen, die als Ganzes „einmütig im Gebet verharrt mit Maria” (vgl. Apg 1,14), die alles von Gott empfangen hat; einer Organisation, die an Marias Geist teilhat und voll und ganz auf Gottes Absicht bei der Gnadenvermittlung eingeht? Wird eine solche Organisation nicht „mit dem Heiligen Geist erfüllt” sein (Apg 2,4), und werden dort nicht „viele Wunder und Zeichen” geschehen (Apg 2,43)? 

6. Würde Maria doch richtig erkannt!

Jedem Priester, der in einem Meer religiöser Gleichgültigkeit einen schon fast verzweifelten Kampf führt, sei empfohlen, die nun folgenden Worte Pater Fabers zu überdenken, ehe er sich entscheidet, ob die Legion für ihn von Wert sein könnte oder nicht. Dieser Abschnitt ist dem Vorwort zur Schrift des heiligen Ludwig Maria Grignion von Montfort, Abhandlung über die wahre Marienverehrung, entnommen, die für die Legion eine überströmende Quelle geistlicher Anregungen ist. Die Behauptung Pater Fabers ist, dass die Menschen nicht annähernd genug von Maria wissen und sie nicht genug lieben – sehr zum Schaden ihrer Seele. Er schreibt: „Die Marienverehrung ist seicht, dürftig und armselig. Es fehlt ihr an Glauben. Und so geschieht es: Jesus wird nicht geliebt, Irrgläubige werden nicht bekehrt, die Kirche wird nicht geachtet. Seelen, die heilig sein könnten, verdorren und verkümmern. Der Sakramentenempfang ist ungenügend. Das Evangelium wird nicht voll Begeisterung verkündet. Jesus bleibt unbekannt, weil Maria beiseite geschoben wird. Tausende Seelen gehen zugrunde, weil man ihnen Maria vorenthält. Was wir als Marienverehrung bezeichnen, ist nur ein erbärmlicher, unwürdiger Schatten, der Schuld ist an all diesen Mängeln und Zerstörungen, an diesen Übeln und Unterlassungen, an diesem Verfall. Nach dem erleuchteten Zeugnis der Heiligen drängt Gott jedoch darauf, dass seiner heiligen Mutter eine größere, stärkere, eine umfassende, eine ganz andere Verehrung zuteil werde … Man braucht nur an sich selbst den Versuch zu machen, und man wird staunen über die Gnaden, die man empfangen darf, und die Wandlung, die sich an der Seele vollzieht. Sehr schnell wird man zur Überzeugung gelangen, dass echte Marienverehrung in einem fast unglaublichen Ausmaß die Rettung der Menschen und die Ankunft des Reiches Christi bewirkt.” 

7. Maria der Welt bringen

Wenn die Verehrung Marias solche Wunder wirkt, dann muss es das große Ziel sein, dieses Mittel einzusetzen und Maria der Welt zu bringen. Wer könnte das wirkungsvoller tun als eine apostolische Gemeinschaft? Ihre Mitglieder sind Laien – daher ist ihrer Zahl keine Grenze gesetzt; sie ist tätig – daher kommt sie überall hin; sie liebt Maria mit aller Kraft und verpflichtet sich, die Herzen aller Menschen in diese Liebe zu Maria hinein zu ziehen; und sie nützt jede Möglichkeit, die sich bei ihrer Arbeit ergibt, um dieses Ziel zu erreichen.

Die Legion Mariens trägt ihren Namen mit unsagbarem Stolz. Grenzenloses, kindliches Vertrauen zur Gottesmutter ist die Grundlage ihrer Gemeinschaft. Sie festigt dieses Vertrauen, indem sie es dem Herzen jedes einzelnen Mitglieds einpflanzt. So kann sie die Legionäre zur Arbeit einsetzen, und diese werden ihren Auftrag in vollem Einklang von Treue und Disziplin durchführen. Deshalb ist es keine Überheblichkeit, vielmehr das richtige Maß an Vertrauen, wenn die Legion Mariens der Überzeugung ist, dass ihr System sozusagen einen Mechanismus darstellt, den die für die Kirche Verantwortlichen nur anwenden müssen, um die ganze Welt zu erreichen. Ja, Maria selbst wird sich in ihrer Güte dieses Werkzeuges bedienen, um ihre mütterliche Aufgabe an den Seelen zu erfüllen und ihre ewige Sendung fortzusetzen: der Schlange den Kopf zu zertreten.

„,Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.’ (Mk 3, 35) Welch wunderbare Ehre! Zu welcher Höhe der Herrlichkeit erhebt uns Jesus! Die Frauen preisen die Mutter selig, die ihn gebar; doch was hindert sie daran, an dieser Mutterschaft teilzuhaben? Das Evangelium spricht hier ja von einer neuen Weise der Zeugung, einer neuen Elternschaft.” (Hl. Johannes Chrysostomus) 

(Handbuch der Legion Mariens, S. 31 – 39)

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Herzlich Willkommen

„... unter der Führung Marias, die im Bild vor ihnen stand,
begannen sie zu überlegen,
wie sie Gott am besten gefallen und was sie tun könnten,
damit er in Seiner Welt geliebt werde.“

(Handbuch der Legion Mariens)

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