Die Tätigkeit der Legion

Aus dem Büchlein “Wagnis für Gott” von Friedrich Wessely

Dem doppelten Ziel der Selbstheiligung und des Apostolates entsprechend, ist die Tätigkeit der Legion darauf hingerichtet, die Mitglieder durch Gebet und Unterweisung zu heiligen und sie zugleich auf bestimmte äußere Arbeiten an den Mitmenschen hinzulenken.
Das Herz der ganzen Legions­arbeit ist das wöchentliche Treffen des Präsidiums (der klein­sten Arbeitsgruppe). Dieses Treffen geht überall auf der ganzen Welt in der gleichen Weise vor sich. Um einen Altar der Unbefleckten Jungfrau, der mit Blumen geschmückt ist, geschart, wird zuerst der Heilige Geist angerufen und der Rosenkranz gebetet. Hernach wird vom Geist­lichen Leiter die Lesung gehalten, die meist aus dem Handbuch der Legion genommen wird. Darauf folgt nach einigen geschäftlichen Mitteilungen die Entgegennahme der Arbeitsbe­richte der vergangenen Woche. Diese Berichte sind von großer Wichtigkeit. Sie geben ein Bild vom Erfolg der Tätigkeit; sie geben den einzel­nen Mitgliedern die Möglichkeit, voneinander zu lernen. Sie zeigen auch, wie weit der Legio­när in seine eigentliche Aufgabe, den Menschen näher zu kommen, ihre Herzen zu gewinnen, ein­gedrungen ist und sie erfüllt hat. Diese Bericht­erstattung gibt den einzelnen Mitgliedern auch Gelegenheit, verschiedene Tugenden zu üben (Überwindung der Schüchternheit, der Eitelkeit, der Versuchung zur Schönfärberei usw.).
Die Berichte werden nach einiger Zeit vom Präsidenten unterbrochen, und es folgt die soge­nannte Catena, das Legionsgebet, das von den Legionären täglich zu verrichten ist und das im wesentlichen aus dem Magnifikat besteht. An dieses Gebet schließt sich die Allocutio des Geistlichen Leiters, die den Zweck verfolgt, die Mitglieder immer mehr in den Geist des Hand­buches einzuführen.
Hernach werden die Arbeitsberichte fortgesetzt und schließlich die Arbeitsverteilung für die nächste Woche vorgenommen. Je zwei Mitglie­der erhalten eine Aufgabe. Dies geschieht des­halb, um den einzelnen schwierige Gänge zu erleichtern und ihnen zu helfen, den Mut zu bewahren, aber auch, damit der Geist der wech­selseitigen Rücksicht und der Disziplin geübt werde.
Das Treffen, das nicht länger als eine und eine halbe Stunde dauern soll, schließt mit dem Ge­bet: “Verleih, o Herr, uns allen, die wir unter dem Banner Mariens dienen, eine solche Fülle des Glaubens an Dich und des Vertrauens auf die Gottesmutter, dass wir dadurch die Welt erobern…”

Jedes Präsidium muss apostolische Arbeit leisten. Jeder Legio­när übernimmt die Verpflichtung, wöchentlich ungefähr zwei Stunden dieser Tätigkeit zu wid­men. Die geistlichen Übungen reichen nicht hin zur Erfüllung der Arbeitspflicht. Grundsätzlich kann jede Arbeit geleistet werden, die der Le­gion von der kirchlichen Obrigkeit gestellt wird. Ausgenommen ist allein die materielle Hilfeleistung. Das Alm0sengeben ist nicht Aufgabe der Legion. Ihre Sendung ruht auf dem Bestreben, jedem einzel­nen im Volk geistige Güter zu bringen. Es muss nicht hervorgehoben werden, dass das Wohltun mit materiellen Mitteln nicht gering geschätzt wird, aber es ist nicht das Werk der Legion. Für andere Verbände mag es ein Schlüssel sein, der ihren Weg zu den Menschen bahnt. Für die Legion wäre materielle Hilfeleistung ein Schlüs­sel, mit dem sie sich vom Zugang zu den Men­schen ausschließt. Der Legionär hat nicht die Gnade, auf diesem Weg Menschen zu gewinnen, schon deshalb nicht, weil er dadurch seine Regel übertreten würde. Natürlich kann die Legion andere Verbände hinweisen auf Menschen, die der Unterstützung bedürfen, oder diesen Men­schen selbst an die Hand gehen, um die richti­gen Stellen zu finden, die ihnen helfen können.

 Ebenso ist auch das Sammeln von Almosen den Legionären nicht gestattet.
Die Legionäre sollen womöglich von Haus zu Haus gehen, ohne Rücksicht auf die Dinge, die man ihnen von Hausbewohnern erzählt. Das Apostolat dehnt sich auf alle Menschen aus. Sicher werden Irrglaube und Unglaube die be­sondere Kraft der Legion herausfordern, aber sie dehnt ihre Arbeit auch auf die Nachlässigen aus und auch auf die Frommen. Jedem einzelnen will die Legion nützlich sein, dem Sünder und auch dem Heiligen. Dabei muss sich der Legionär natürlich sagen, dass er nicht in seiner Armut kommt, sondern als Vertreter der Legion, als Gesandter Mariens, vereint “mit seinem Hirten und Bischof, mit dem Vater der Christenheit, ja, mit Christus selbst”.

Das Apostolat geht auf ein solides und greif­bares Ergebnis. Wenn es möglich ist, soll man vielen Menschen viel Gutes tun. Geht das nicht, soll man wenigen Menschen viel Gutes tun, nie­mals aber darf man vielen Menschen wenig Gutes tun. Wenn der Legionär den letzteren Weg geht, begeht er den Fehler, die Arbeit als vollendet zu betrachten, die nach der Auffas­sung der Legion kaum begonnen hat. Dadurch hindert er andere, diese Arbeit an seiner Stelle zu tun.
Einen greifbaren Erfolg anstreben heißt nicht, dass man darauf ausgeht, die einzelnen Menschen bloß zu Mitgliedern irgendwelcher Vereine zu werben oder sie bloß zu bestimmten religiösen Akten zu bewegen. Immer wieder wird hervorgehoben, dass es darum geht, das Herz des Menschen zu wandeln, dass man daher nur dann einen soliden Erfolg erwarten darf, wenn man diesel­ben Menschen oft besucht und sich bemüht, eine innige Freundschaft mit ihnen zu schaffen. Nur so kann ja dem Menschen der Weg gezeigt wer­den, der gerade ihn weiterführen wird. Natür­lich ergibt sich daraus, dass man zu einem wirklichen Erfolg längere Zeit braucht und dass man viele Legionäre und viele Präsidien benötigt.

Es ist klar, dass eine solche Tätigkeit nur dann durchführbar ist und nur dann von Erfolg be­gleitet sein wird, wenn der Legionär sich immer wieder ins Bewusstsein ruft, dass er in Wirklich­keit Christus in den Menschen zu dienen hat, wenn er daher den Menschen mit Liebe und Ehrfurcht sich nähert und das Haus des Armen mit derselben Bescheidenheit betritt wie das des Reichen. Immer wieder müssen sich die Legio­näre sagen, dass sie nicht kommen, um Vorträge zu halten oder eine Menge von Fragen an die Menschen zu richten, sondern um die Saat der Zuneigung zu säen, die schließlich den Weg zur Beeinflussung bahnen wird.
Man muss diese Weise des Apostolates nur erwägen und vor allem versuchen, um sofort zu verstehen, dass eine ständige innere Aufmunte­rung und Stärkung des Legionärs selbst not­wendig ist. Immer wieder bedarf er neuer Unter­weisungen, damit er auf seinem Weg nicht müde wird und seine Tätigkeit schließlich nur noch schablonenartig verrichtet. Man sieht da­her, welche Bedeutung dem Geist­lichen Leiter eines Präsidiums zukommt.

Der Geistliche Leiter wird von der Legion als Hauptstützpunkt angesehen. Er hat als erster die Pflicht, die Mitglieder geistig zu formen. Er sorgt im Verein mit den anderen Amtsträgern dafür, dass das Legionssystem nach Geist und Buchstabe genau eingehalten werde. Der Geistliche Leiter ist der eigentliche geistliche Führer des Präsi­diums. Er muss auf sein Präsidium schauen wie ein Novizenmei­ster auf seine N0vizen. Unabläs­sig muss er am geistlichen Fortschritt seiner Legionäre arbeiten und die Eigenschaften in ihnen ausbilden. die ein Legionär Mariens ha­ben muss. Er soll sich nicht scheuen, Aufgaben zu stellen, deren Erfüllung Heldenmut verlangt. Aber er muss auch darauf bestehen, dass die kleinen und kleinsten Pflichten zuverlässig und treu erfüllt werden. denn dies ist die wesent­liche Grundlage zu großen Leistungen. Sicher wird sich Charakterstärke in großen Momenten zeigen, aber an kleinen Dingen wird sie geformt.

Ständig muss der geistliche Führer darauf ach­ten, dass die Mitglieder nicht im Geist der Eigen­liebe an ihr Werk gehen. dass sie sich durch Er­folge nicht blenden und durch Misserfolge nicht entmutigen lassen. Er muss sie lehren, ihre Auf­träge gründlich und furchtlos zu erfüllen. Er muss mahnen, dass sie ihre Arbeit durch Gebet und Opfer fruchtbar machen, und er muss sie lehren, dann, wenn eine Lage, vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet, hoffnungslos er­scheint, sich mit Vertrauen an die Königin der Legion zu wenden, die den Sieg verleihen wird.

Natürlich kann der geistliche Führer dies nur tun, wenn er es als seine besondere Pflicht an­sieht, alle Mitglieder mit einer erleuchteten und starken Liebe zur Gottesmutter zu erfüllen und ihnen vor den Vorrechten Mariens, die die Le­gion besonders verehrt, eine große Hochachtung beizubringen.

Erwägt man etwa das Werk, das die Legionäre verrichten sollen, dann sieht man wohl deutlich ein, dass es ein Werk ist, das unbedingt vollbracht werden muss. Jedem Priester wird es sehr willkommen sein, weil es seine eigent­Iichste Arbeit, die Arbeit an den einzelnen See­len, vorbereitet und auch ständig unterstützt. Es ist ein Werk, das, so paradox es klingen mag, die Massen gewinnen lässt, weil es sich bewusst nicht an die Massen, sondern an das Herz des einzelnen wendet.

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Herzlich Willkommen

„... unter der Führung Marias, die im Bild vor ihnen stand,
begannen sie zu überlegen,
wie sie Gott am besten gefallen und was sie tun könnten,
damit er in Seiner Welt geliebt werde.“

(Handbuch der Legion Mariens)

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