Die mystische Vereinigung zwischen dem Heiligen Geist und Maria

VON FRANK DUFF

Aus der Artikelsammlung “DIE HEILIGE DREIFALTIGKEIT UND MARIA”
Herausgegeben von Andreas Seidl

Maria ist ein wesentlicher Teil in Gottes Gnadenplan. Bei der Erlösung stand sie als neue Eva dem neuen Adam zur Seite. Ebenso bedeutend ist ihre Verbindung mit dem Heiligen Geist bei der Ausspendung der Früchte der Erlösung. Es ist nicht ganz zutreffend, wenn man sie als Braut des Heiligen Geistes bezeichnet; ihre Aufgabe ist eine andere: Sie ist das Strombett seiner Gnaden, aber sie ist nicht nur ein reiner Verteilungsmechanismus. Sie arbeitet in völlig uneingeschränkter Freiheit als selbständige Person mit.

Sie ist erfüllt vom Heiligen Geist, aber er nötigt sie dabei nicht im Geringsten. Weder verzichtet er auf ihren eigenen Willen und ihr Wirken, noch behindert er sie. Es ist eines der unbegreiflichen Wunder der göttlichen Vorsehung, dass eine Seele umso freier ist, je mehr Gott sie in Besitz nimmt. Maria verteilt daher die Gnaden des Heiligen Geistes in völliger Freiheit.

Der Abschnitt des Legionsversprechens über diesen Gegenstand erklärt ganz klar: „Sie ist es, durch die alle deine Gaben, deine Tugenden und deine Gnaden verteilt werden, an wen sie will und wann sie will, in welchem Maß und wie sie will.“ Manche betrachten diese Aussagen des Versprechens als harte Worte, aber natürlich sie sind nicht neu, sondern geben Aussprüche von Heiligen wieder.

Maria handelte in vollkommener Freiheit

Die grundsätzliche Freiheit des menschlichen Willens ist ein Grundprinzip der Theologie. Aber manche Gelehrte scheinen Schwierigkeiten zu haben, dieses Prinzip auf Maria anzuwenden, obwohl sie es gewöhnlichen Menschen zugestehen. Sie können nicht annehmen, dass Marias Handlungen, die Auswirkungen auf das Schicksal der ganzen Menschheit haben, völlig ihrer freien Entscheidung überlassen worden sind. Doch das ist inkonsequent.

Die Grundlage für die Erlösung und ihre Folgen sollte die menschliche Mitwirkung und die freie Annahme durch Maria als Stellvertreterin des Menschengeschlechtes sein. Darum musste diese Freiheit bei der Erlösung ihren höchsten Ausdruck finden. Sie durfte nicht gerade in diesem entscheidenden Augenblick unterdrückt werden, in dem von Maria als der Vertreterin und dem erlesensten Glied der Menschheit die Ausübung dieser Freiheit in ihrer höchsten Vollendung erwartet wurde. Das wäre unpassend und enttäuschend.

Ebenso widersinnig ist es, wenn heute die Existenz der Erbsünde geleugnet, aber im gleichen Atemzug auch die Unbefleckte Empfängnis abgelehnt wird. Da wäre dann mit anderen Worten jedermann unbefleckt empfangen außer der Jungfrau Maria. Das hat schon einen Hauch von Verrücktheit an sich! Aber ich behaupte, dass solch unsinniges Verhalten immer zu Tage tritt, sobald man in seiner Haltung gegen Unsere Liebe Frau einen Irrtum begeht: Man verstößt gegen den gesunden Menschenverstand. Offensichtlich verwirft man durch die Zurückweisung Marias auch alles, wofür sie steht. Und sie steht für den menschlichen Verstand in seiner äußersten Unversehrtheit, ohne Befleckung durch die Erbsünde. Leugne sie in geringster Weise, und bald gibt es einen Verstoß gegen den gesunden Menschenverstand!

Sie bietet gewissermaßen das Vorbild für das Verhalten der Menschen. Ihr Sinnen ist vollkommen auf Gott ausgerichtet. Jede Abweichung von diesem Vorbild bedeutet einen Mangel an Übereinstimmung mit Gott selbst, und das wird früher oder später verheerende Folgen haben. Die falsche Einstellung greift wie eine Krankheit über auf unsere Haltung zu den Engeln, der Sünde, der Gottheit Christi, dem Heiligen Geist und schließlich zu Gott selbst. Ich glaube, man kann mit Recht sagen, dass einfache Menschen mit einer rechten Einstellung zu Unserer Lieben Frau auf einem geraden Weg wandeln und weit kommen werden, während Gelehrte, die alles in ihrem Kasten haben außer Maria, einen Kurs fahren werden wie ein Schiff ohne Kompass und Steuerruder.

Es ist eine erstaunliche Tatsache, dass es der Heiligsten Dreifaltigkeit gefallen hat, die Erlösung vom Willen eines Geschöpfes abhängig zu machen, nämlich der Jungfrau Maria. Sie sollte die Erlösung wollen, sonst wäre sie nicht gewirkt worden.

Das ist für manche unter uns zu viel. Es war auch für Luzifer und seinen Anhang zu viel. Sie wollen nicht wahrhaben, dass das so ist. Die Menschwerdung, die Erlösung und das Geschick des ganzen Menschengeschlechtes sind doch so ungeheuer große Dinge, dass sie nicht zum Spielball der Entscheidung eines kleinen Mädchens gemacht werden dürfen! Gott selbst konnte doch nicht mit einem solchen Mangel an Ernsthaftigkeit handeln!

Doch das ist wirres Gerede! Gerade mit dieser Begründung lehnten die rebellischen Engel die Zustimmung zur Erlösung ab.

Der Heilige Geist und Maria bringen mitsammen den hervor,
der “heilig und Sohn Gottes genannt wird“.

Die Antwort ist: Wenn Gott die Dinge so bestimmt hat, dann gibt es daran nichts Unmögliches und nichts Unpassendes, sondern sein Vorgehen offenbart seine Weisheit und seine abgrundtiefe Liebe. Er beabsichtigt nicht nur, seine gefallenen Geschöpfe aus der Tiefe empor zu heben, sondern er will sie mit seinem ganzen Einfallsreichtum zu himmlischen Höhen führen. Er ist nicht damit zufrieden, uns vollständig zu retten. Er lädt uns ein, am Werk unserer Erlösung bis zu den Grenzen unserer Fähigkeit mitzuwirken, und veredelt unseren Beitrag noch auf jede mögliche Weise. Er richtet die Dinge so ein, dass es fast so aussieht, als hätte er uns gegenüber eine Verpflichtung. Wir werden behandelt, als hätten wir die Freuden des Himmels und die schwindelnden Höhen tatsächlich verdient, die in Maria, unserem Urbild, jetzt schon Wirklichkeit geworden sind.

Der Anfang dieses wunderbaren Planes wurde in der Jungfrau Maria gesetzt. An ihr sah Gott, wie hoch der Mensch erhöht werden kann. Sie allein besaß den Keim einer Hochherzigkeit, den er weiter entwickeln konnte bis hin zu den Geheimnissen seiner Liebe.

Marias Mitwirkung im Glauben und in der Liebe ist der Grundstein der Menschwerdung. Der Heilige Geist kommt auf sie herab, und zusammen bringen sie den hervor, der „heilig und Sohn Gottes genannt wird“(Lk. 1,35). Das ist der Ursprung und das Modell für jede Gnade. Die Gnade fließt durch die Kraft und das Wirken des Heiligen Geistes, aber immer in Übereinstimmung mit Maria. Wenn wir uns in diese Ordnung der Dinge einfügen, handeln wir richtig. Wenn man Maria unter welchem Vorwand auch immer klein macht, zerstört man alles. Gott hat alles von ihr abhängig gemacht, und er erwartet auch, dass wir ihren Dienst anerkennen.

Die Verehrung unserer größeren und kleineren Helfer im Himmel verlangt, dass wir die Dienste anerkennen, die sie uns leisten. Wir müssen dem hl. Antonius dankbar sein, wenn er unsere Füllfeder für uns gefunden hat, dem hl. Blasius, wenn er unseren Hals geheilt hat, oder unserem Schutzengel für seine unablässige Sorge für uns. Umso mehr müssen wir uns Maria dankbar zeigen, die nicht nur das Tor zur Erlösung für uns geöffnet hat, sondern uns als unsere wahre Mutter auch deren Früchte unaufhörlich weiter zuteilt.

Im Augenblick der Menschwerdung wurde die selige Jungfrau in die Hervorbringung des ewigen Sohnes eingebunden. Das führte zu einer unauflöslichen Vereinigung mit der dritten göttlichen Person, die so innig ist, wie es ohne Aufhebung ihrer Menschlichkeit nur möglich ist. Dazu gehört, dass der eine an den Handlungen des anderen teilnimmt. Sie arbeiten wie eine Einheit zusammen.

Natürlich könnte das heißen, dass sie nicht mehr Bedeutung hätte als ein Kanal, der etwas weiter leitet. Selbst das wäre schon eine Herablassung des Höchsten zu ihr. Aber es wäre das Gegenteil der eigentlichen Absicht Gottes. Er betrachtet sie als verantwortlich. Ihr sollte bei der Zuwendung der Gnade eine ebenso entscheidende Mitwirkung übertragen werden wie die, welche sie bei der Menschwerdung ausgeübt hatte.

Gott hat sie wirklich zu seiner Mitarbeiterin erwählt, das heißt, er hat den Fluss der Gnade von ihr abhängig gemacht. Gott behandelt sie so, wie wenn sie ihm gleichberechtigt wäre. Sie war ja auch im Haus von Nazaret in jeder Hinsicht die Mutter, und obwohl ihr Kind so großartig war, war sie weder Marionette noch Roboter ohne wirkliche Verantwortung. Ganz im Gegenteil! Da sie die Vertreterin des Menschengeschlechtes war und das lebenswichtige Element der Mitwirkung des Menschen verkörperte, war sie auch die Mutter schlechthin, mehr als jede andere Mutter, mit größerer Verantwortung und Freiheit. Ihre Persönlichkeit war so reich, dass man sich keine Vorstellung machen kann. Das musste so sein, denn von ihr empfing Jesus auf natürliche Weise seine Gesinnung, seine geistigen Gaben und die Bildung seines Charakters. Wenn wir über sie sprechen, brauchen wir keine Angst vor Übertreibungen haben.

Jeder Versuch, uns eine Vorstellung zu machen, wie der Heilige Geist und Maria gemeinsam die Gnaden vermitteln, grenzt ans Lächerliche, so weit liegt das über unserem Horizont. Aber lasst uns wenigstens darüber sprechen, ermutigt durch die Art, in der das Alte Testament Gott wie einen Mann darstellt, der sich in menschlicher Weise berät!

Der Heilige Geist hält also ständig mit Maria Rat. Dazu ist es nötig, dass er ihr erlaubt, ihren Willen vorzubringen und ihre Persönlichkeit in jeder Weise zur Geltung zu bringen. Sonst wäre es ja keine wirkliche Zusammenarbeit. Wir müssen uns vorstellen, wie beide alles überlegen, was notwendig ist, jede Seele in ihren besonderen Umständen betrachten, und dann zu Entscheidungen kommen, die sofort in Kraft treten. Zu gleicher Zeit müssen wir uns klar machen, dass die Dinge nicht auf einer so natürlichen Ebene ablaufen. Es gibt keine Debatte, so wie wir sie uns vorstellen, und keine Andeutung einer Meinungsverschiedenheit, die etwa dadurch gelöst werden müsste, dass er seine höhere Macht geltend macht. Wir möchten uns das gerne besser vorstellen können als in diesem menschlichen Bild, aber was soll’s, wir haben eben keine geistlichen Flügel.

Maria, die Königin des Himmels und der Erde, die Mutter aller Menschen, wurde von Gott befähigt, ihre Aufgabe in dieser Partnerschaft der Gnade vollkommen zu erfüllen. In Gott erkennt sie ihren irdischen Einflussbereich und die Nöte jedes ihrer Kinder bis ins kleinste Detail. Aber wie kann es sein, dass alles, was sie für sie erbittet, ausnahmslos in Einklang mit dem Willen Gottes steht und der Erhörung sicher ist? Wir wollen diesen wesentlichen Punkt genauer betrachten.

Jeder Mensch hat einen freien Willen. Die selige Jungfrau hat diese Freiheit der Entscheidung in viel höherer Weise und bei jeder Tat ihres Lebens besessen. Wir können das begründen: Sie ist die unbefleckt Empfangene, der unverdorbene Mensch. Sie muss alle natürlichen Eigenschaften des Menschen, auch den freien Willen, in äußerster Vollkommenheit aufweisen.

Andererseits sollten ihre Handlungen so unvorstellbar folgenschwer sein, dass man kaum denken kann, sie sollten ganz und gar ihrer uneingeschränkten Entscheidung überlassen bleiben. Ein schwacher Glaube schreckt vor so einer Ungeheuerlichkeit zurück. Sicher wird niemand außerhalb der Kirche den Gedanken akzeptieren, dass die Rettung der Welt ihrer endgültigen Entscheidung überlassen wurde und trotzdem vollkommen sicher war.

Aber nach dem göttlichen Ratschluss musste es so sein. Bei der Verkündigung wurde Maria vom Engel gefragt. Daraus folgt, dass sie eine wirkliche Entscheidung treffen musste. Diese musste notwendiger Weise von äußerster Vollkommenheit sein, sie musste die freieste Tat eines freien Willens sein, die je geschehen war. Das ist die wahre Bedeutung dieses Augenblickes, der zum Mittelpunkt aller Zeiten wurde. Wenn Maria wirklich zu Rate gezogen wurde, dann musste das Abkommen so verlässlich sein, wie Gott es nur machen kann.

Das Geheimnis liegt in ihrer Vollkommenheit, ihrer in jeder Hinsicht absoluten Reinheit. Freier Wille bedeutet, dass wir wählen können. Unser Gebrauch des freien Willens wird erschwert durch den Wirbelwind in und um uns, der aus verschiedenen Richtungen kommt und uns hin und her zerrt. Maria war nur auf Eines bedacht, das war ihr himmlischer Vater. Jede Faser ihres Seins war auf ihn bezogen, und sie übergab sich ihm mit einer Vollständigkeit, die an Unendlichkeit grenzte. Nichts lenkte sie ab. Ohne Zweifel tobte der Wirbelwind der Welt auch rund um sie und zerrte an ihr, aber sie wankte niemals. Ihr Wille zuckte nicht einen Augenblick von seinem Ziel zurück.

Wenn man das Problem auf diese Weise betrachtet, wird alles ganz einfach. Gott kann alles der uneingeschränkten Verfügung dieses wunderbaren Geschöpfes überlassen. Sobald sie weiß, was er wünscht, ist das genug. Wo ist also ein Widerspruch zwischen ihrem freien Willen und Gottes Heilsplan? Wo liegt die Schwierigkeit, wenn der Erzengel das Schicksal aller Menschen in ihre menschlichen Hände legt? Was wünscht Gott? Das ist alles, was sie wissen muss. Ihre Entscheidung ist frei, dennoch ist die Welt sicher.

Die gemeinsame Gnadenverwaltung des Heiligen Geistes und Marias lässt sich genau so einfach erklären: Mit ganzem Herzen und der vollen Kraft ihres Willens entspricht sie seinem Willen. Er ist ihr nicht aufgezwungen. Sie könnte keine größere Freiheit haben oder sie in größerem Maße gebrauchen. So großartig ist der wunderbare Plan Gottes, dass es dem Heiligen Geist sogar möglich ist, ihr die ganze Verwaltung seiner Gnaden anzuvertrauen, und dass das Ergebnis ganz dasselbe ist, wie wenn er allein gewirkt hätte.

Was für ein Geheimnis der Liebe wird uns da offenbar! Gottes Wille geschieht in vollkommener Weise, und die Jungfrau ist ebenso frei in der Sorge für ihre Kinder im Haushalt der Gnade, sie nährt, kleidet und lehrt sie. Wenn wir vollen Nutzen aus diesem gewaltigen Wunderwerk ziehen wollen, müssen wir zu einem immer tieferen Verständnis vordringen. Durch alle Zeit, ja sogar vor aller Zeit hat Gott auf Maria gebaut. Nach seinem Plan schloss sie uns mit ein und vertrat uns, und nun ist sie unsere Mutter. Nochmals betone ich, dass sie in dieser Eigenschaft mehr als ein noch so durchgängiger Kanal der göttlichen Freigebigkeit ist. Sie ist eine voll verantwortliche Verwalterin. Keine Mutter kann so sehr Mutter sein wie sie.

Von all der fast entrückten Bewunderung dieser göttlichen Anordnungen werden wir brutal auf die Erde zurück gerufen durch Schriften, die so sehr auf dem Vorrang des Heiligen Geistes bestehen, dass Marias Name ängstlich vermieden wird. Das aber widerspricht grundlegend dem Plan Gottes und ist untragbar.

Es ist schmerzlich, dass die Autoren solcher Aufsätze so kindisch über Maria schreiben. Sie beurteilen das Übernatürliche nach natürlichen Maßstäben: Als ob man sich vom Heiligen Geist wegwenden müsste, wenn man sich der seligen Jungfrau zuwendet! Als ob nur die direkte Zuwendung zählte! Das ist eindeutig kindisch. Wenn man es konsequent weiterdenkt, führt es dazu, dass wir Gott immer bei Seite lassen, wenn eine Aufgabe unsere ganze Aufmerksamkeit so in Anspruch nimmt, dass wir nicht mehr ausdrücklich an Gott denken.

Das Gegenteil trifft zu: Wir finden Gott nicht so sicher in inbrünstigen Gefühlen wie in der rechten Absicht, in der wahren Lehre, in rechten Grundsätzen und in der Erfüllung unserer Pflichten. Übrigens ist Maria die Verkörperung und das Urbild aller dieser Wege zu Gott und führt uns auf ihnen zu ihm.

Die Vereinigung zwischen dem Heiligen Geist und Maria, die bei der Menschwerdung ihren Anfang nahm, besteht für immer. In allem, was er tut, ist Maria bei ihm. Sie wird nicht erst dadurch gegenwärtig, dass wir an sie denken. Wenn wir diese Gedanken weiter verfolgen, öffnet sich uns ein weites Feld für die Betrachtung. Wir werden Maria finden, wo wir sie nicht vermutet hatten.

Im Rosenkranz folgt nach dem Geheimnis der Menschwerdung Marias bedeutsamer Besuch bei Elisabet. Als sich die beiden Mütter treffen, trägt Maria ihren göttlichen Sohn mit sich. Daraus beginnt die heiligmachende Gnade zu fließen. Mit Maria ist auch der Heilige Geist anwesend. Die Heiligung des Johannes ist seine erste offizielle Gnadenausspendung in Verbindung mit Maria. Sie tritt zum ersten Mal in der Eigenschaft als Gnadenmittlerin in Erscheinung.

Und als Maria später die feierliche Verpflichtung des Alten Bundes erfüllt und ihren Erstgeborenen seinem himmlischen Vater darbringt, vollzieht der Heilige Geist unsichtbar diese feierliche Handlung mit ihr und verleiht ihr ihre wahre Bedeutung und Gültigkeit. Aber ihr Anteil ist nicht weniger wichtig: Sie steht stellvertretend für alle anderen Mütter, die diesen Brauch symbolisch vollziehen.

In Kana, dem Vorbild des Letzten Abendmahles, werden wir Zeugen des dramatischen Eingreifens Marias. Aber beim Letzten Abendmahl selbst, als das Wunder der Eucharistie eingesetzt wird, ist sie nicht zugegen. Wir haben zwar das Gefühl, dass sie wirklich auch bei diesem Geheimnis teilgenommen haben sollte, da sie uns als Erste den Leib Christi geschenkt hat. Viele Heilige sind dieser Ansicht und sagen, dass sie in einem Nebenraum anwesend gewesen sein muss und die heilige Kommunion nach der eigentlichen Feier empfangen hat. Das kann so gewesen sein. Aber in Wahrheit ist es nicht nötig, zu so einer Lösung Zuflucht zu nehmen. Denn der Heilige Geist überschattete das Entstehen der Eucharistie ebenso, wie er die Entstehung des menschlichen Leibes des Herrn überschattet hatte. Er wirkte das Eine wie das Andere durch Maria. In ihm war sie bei der Menschwerdung genau so gegenwärtig wie bei der Einsetzung der Eucharistie, sichtbar im ersten, unsichtbar, aber ebenso wirklich im zweiten Fall.

Die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Jünger enthält ein weiteres Beispiel dieser andauernden fruchtbaren Vereinigung. Die Apostelgeschichte beschreibt das so: “Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sie eine nieder. Alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt“(Apg. 2, 2 – 4).

Wir dürfen nicht glauben, dass der Geist dazu eine Reise aus der Höhe unternehmen musste. Das musste er gar nicht. Er war in der Versammlung schon zugegen, verborgen in Maria, und wartete auf die Erfüllung des Versprechens des Vaters (Apg. 1, 4 ). Die überlieferte Vorstellung, dass die Feuerzungen von Maria ausgegangen sind, enthält einen richtigen Gedanken. Das würde sichtbar zum Ausdruck bringen, welche Rolle ihr seit jeher bestimmt war. Gerade so, wie sie Jesu menschlichen Leib empfangen und geboren hat, steht sie am Anfang seines mystischen Leibes. Sie ist genau so wirklich die Mutter der Kirche wie die Mutter Christi.

Nach der Geistsendung folgt im Rosenkranz die Aufnahme Marias in den Himmel. Bei diesem Geheimnis wird meist angenommen, dass Unsere Liebe Frau in sichtbarer oder unsichtbarer Weise von Engeln in den Himmel getragen worden ist. Damit ist soll ausgedrückt werden, dass sie als reiner Mensch im Gegensatz zu unserem Herrn getragen wurde, was ihren niedrigeren Rang zum Ausdruck bringen soll. Können wir uns aber nicht auch vorstellen, dass sie als lebendiger Wohnsitz des Heiligen Geistes etwas Besonderes gewesen und wie ihr Sohn ohne Hilfe von Engeln in den Himmel aufgestiegen ist?

Aus all diesen Beispielen wird klar, warum der Rosenkranz als das beste Gebet zum Heiligen Geist empfohlen worden ist.

Marienverehrung ist eine Verpflichtung, keine freiwillige Sache. Maria ist nicht göttlich. Wir beten sie daher nicht an. Wenn das klar gestellt ist, gibt es keinen Grund, die Häufigkeit oder die Art unserer Zuwendung zu ihr zu begrenzen. Ob wir direkt zu den göttlichen Personen gehen oder zu ihr, ist ganz gleich. Alles kommt zu Gott. Wie wenden uns von den anderen nicht ab, wenn wir zu einem sprechen. Das ist ja in unserer sichtbaren Welt nicht anders: Ein Blick erfasst die Frau und das Kind in ihrem Arm. Aber die Übernatur übersteigt die Natur so weit, dass es nicht notwendig ist, uns mit solchen Bildern zu behelfen. Maria ist so innig im Heiligen Geist geborgen, dass sie fast eine Einheit bilden und in Einheit wirken. Die Verehrung des einen schließt die Verehrung des anderen mit ein. Das soll unsere Absicht sein! Konzentrieren wir uns auf einen, wenn wir wollen, aber lassen wir den anderen nicht aus den Augen!

Jedenfalls ist es fast undurchführbar, unsere Gebete zwischen ihnen aufzuteilen. Wie viel sollen wir Maria geben? Fünf oder zehn oder fünfzehn Prozent? Die Vorstellung allein ist schon absurd. Jede Idee einer Aufteilung ist unmöglich. Und gar, wenn man sie auf Gott anwendet, wie sollten wir eine Zuordnung zu den drei Personen treffen?

Heutzutage begehen viele den Fehler, den Heiligen Geist so sehr hervorzuheben, so als gäbe es die anderen göttlichen Personen gar nicht. Maria wird von solchen Leuten nur mit einer unwilligen Geste erwähnt, und man sieht bald, dass es dann auch für Jesus „keinen Platz in der Herberge“ gibt.

Am einfachsten ist es, sich den himmlischen Personen in völliger Freiheit zuzuwenden, wie es die Kirche immer schon erlaubt hat, und sicher zu stellen, dass man Maria gegenüber nicht zu kleinlich ist. Sie ist weit davon entfernt, etwas für sich zu behalten, was ihr dargebracht wird, sondern sie gibt alles weiter und ergänzt es noch durch ihren beträchtlichen eigenen Beitrag. In Wirklichkeit hilft sie unserem schwachen Verstand, die Heiligste Dreifaltigkeit zumindest ein wenig zu verstehen und die drei göttlichen Personen so weit wie notwendig zu unterscheiden. Wahrscheinlich würden wir ohne ihre Hilfe gar keinen Zugang zu dieser Lehre und zu anderen weniger bedeutenden Lehren finden. Sie ist wirklich die Hüterin der christlichen Glaubenslehre. Wenn man sie wegnimmt, beginnt das ganze Gebäude zu bröckeln. Der bedeutende Kirchenschriftsteller Pelbartus machte sich Gedanken, was man davon halten solle, dass manche Heilige so sehr von Liebe zu Maria ergriffen sind, dass sie anscheinend von ihr mehr fasziniert werden als von den göttlichen Personen und sich gedrängt fühlen, ihr den Großteil ihrer Gebete zuzuwenden.?

Der Schriftsteller gibt zur Antwort, dass man in diesen Personen das Wirken des Heiligen Geistes erkennen kann. Es benützt sie, um auf menschliche Weise der unendlichen Liebe Ausdruck zu verleihen, die der ewige Vater zu seiner Tochter empfindet, die Jesus für seine Mutter hat, und die der Heilige Geist selbst verschwenderisch über die unvergleichliche Frau ausgießt, die seine Helferin bei der Schöpfung geworden ist. Es ist Teil des göttlichen Planes, dass diese Liebe der Heiligsten Dreifaltigkeit zu der Frau, die sie als ihre Ergänzung geplant hat, auch durch einige Glieder des mystischen Leibes in dramatischer Weise ausgedrückt werden soll. Ganz ähnlich ist es ja auch mit unserem Herrn: jede seiner Eigenschaften wird von verschiedenen Heiligen in fast verblüffender Weise zum Ausdruck gebracht.

Wenn wir also eine glühende Liebe zu Maria spüren, dürfen wir uns nicht ängstlich machen lassen durch den Vorwurf, wir würden Gott die ihm geschuldete Ehre vorenthalten. Denn es ist er selbst, der uns in diese gnadenhafte Verbindung hineinzieht, die er mit Maria hat. Vielleicht haben sie einen Plan mit uns.

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Herzlich Willkommen

„... unter der Führung Marias, die im Bild vor ihnen stand,
begannen sie zu überlegen,
wie sie Gott am besten gefallen und was sie tun könnten,
damit er in Seiner Welt geliebt werde.“

(Handbuch der Legion Mariens)

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