Der Ursprung der Legion Mariens

aus dem Büchlein “Wagnis für Gott” von Friedrich Wessely

Was können wir tun, damit Gott in der Welt mehr geliebt werde? Diese Frage stellten sich einige Menschen in Dublin im Jahre 1921 am 7. September, dem Vorabend von Mariae Geburt, nachdem sie gemeinsam den HI. Geist angerufen und vor einer mit Blumen geschmückten Statue der Unbefleckten Empfängnis den Rosenkranz gebetet hatten. Sie ahnten nicht, dass sie die Begründer eines Werkes werden sollten, das für die Ausbreitung des Christentums und für die Wiedererweckung des Glaubenslebens von einer Bedeutung werden sollte, die kaum überschätzt werden kann. Sie ahnten nicht, dass ihr Werk die “Legion Mariens” werden sollte.

Diese Apostelseelen begannen ihr Werk damit, dass sie in das Spital der Unheilbaren gingen und sich der Kranken annahmen, indem sie je nach den leiblichen und seelischen Bedürfnissen hilfreich waren. Später wurde die Arbeit auch auf andere Menschen ausgedehnt. Der Erfolg war durchschlagend. Zahllose Gruppen bildeten sich, um in gleicher Weise zu arbeiten. Die Le­gion wurde organisiert.

In wenigen Jahren brei­tete sie sich über alle Erdteile aus. Die Zahl ihrer aktiven Mitglieder beträgt mehrere Millionen. Die Anfangsarbeiten sind insofern für jede spä­tere Arbeit bestimmend geblieben, als es unum­stößliches Arbeitsprogramm der Legion ist, den einzelnen Menschen zu helfen, und zwar ihnen seelisch zu helfen. Es ist das Ziel der Legion, die Herzen der Menschen zu gewin­nen, um ihnen den Weg zu Gott zeigen zu kön­nen, oder, wenn sie gläubig sind, sie näher zu Gott zu führen. Die Legion geht dabei von dem richtigen Grundsatz aus, dass niemand so schlecht ist, dass er nicht auch noch gut werden kann, und dass niemand so gut ist, dass er nicht noch besser werden könnte. Da­mit ist schon angedeutet, dass die Betreuung sich nicht auf bestimmte Kreise beschränkt, son­dern sich grundsätzlich auf alle Menschen zu erstrecken hat; denn Christus ist für alle Men­schen gekommen. Daraus aber ergeben sich zwei wichtige Folgerungen: 1. darf die Legion dann vor keiner Aufgabe, auch nicht vor der schwersten, zurückschrecken; dann muss sie es wagen, auch in die Elendsviertel und zu den Abgefallenen zu gehen; 2. muss dann die Zahl der Apostel eine sehr große sein; denn nur so ist es möglich, jeden einzelnen Menschen seel­sorglich zu erreichen.

Man könnte nun die Frage stellen, ob denn diese bei den Folgerungen auch wirklich gezogen werden können, ob nicht die eine die andere ausschließt. Auf der einen Seite wird von der Notwendigkeit einer sehr großen Zahl von Aposteln gesprochen, auf der anderen Seite aber werden höchste Anforderungen gestellt, und zwar nicht nur was die äußere Tätigkeit betrifft, sondern auch bezüglich des inneren Strebens. Der Ausgangspunkt der äußeren Tätigkeit soll das Streben nach Selbstheiligung sein! Wie kann man da erwarten, dass die Zahl der Apostel hinreichend groß sein wird, um die Arbeitslast zu erledigen?

Wie stimmt es ferner zusammen, dass ausdrück­lich immer wieder betont wird: die Legion will nicht nur Menschen in ihren Reihen sam­meln, die sich durch außergewöhnliche Gnaden auszeichnen und außergewöhnliche, nicht je­dem zugängliche Wege beschreiten? Sie will keine religiösen Übungen fordern und keine Aufgaben stellen, die über die Kraft des Durch­schnittsmenschen hinausgehen?

Die Schwierigkeit, die sich hier ergibt, löst sich sofort, wenn man bedenkt, dass jeder Mensch kraft der Gnade den Drang nach Voll­kommenheit in sich trägt, dass dieser Drang, der von Gott selbst in das Herz des Menschen ge­legt wurde, nicht umsonst gegeben worden sein kann, so dass jeder auf eine

sehr einfache und schlichte Weise, die seinen Anlagen angepasst ist, auch den Weg der Heiligkeit gehen kann.

Jeder Christ kann die Sünde bekämpfen, kann Tugenden, vor allem die Gottes- und Nächsten­liebe, üben. Jeder Christ kann seinen Glauben bekennen und von seiner Überzeugung spre­chen. Er kann es nicht nur, er hat in sich den Auftrag und den Drang dazu. Diese Anlagen gilt es nur zu wecken, um aus dem Christen einen „Legionär” zu machen.

Freilich, diese Anlagen müssen geweckt wer­den, und die Legion will durch ihr System diese Hilfe bieten. Sie will zuerst zur Selbstheiligung verhelfen. Sie vergisst über ihrer großen Auf­gabe der Bekehrung der Menschen nicht die der Heiligung ihrer Mitglieder – ja, sie ist davon durchdrungen, dass diese Selbstheiligung wesent­liche Voraussetzung ist. Allerdings sieht sie in diesen bei den Aufgaben nicht zwei Dinge, die voneinander getrennt werden könnten. Die rechte Heiligung der Seele muss wie von selbst dahin führen, Liebe zu üben, vor allem auch zur Vermittlung des wertvollen Gutes, des Glau­bens, anregen; anderseits führt gerade das Apostolat, wenn es nur aus dem rechten Geist ge­schieht, wieder zur Entfaltung des Tugend­lebens, vor allem der Liebe.

Obwohl dies so ist, verhehlt man sich nicht die Tatsache, dass diese beiden Dinge nicht bloß einander koordiniert sind, sondern dass die rich­tige Gesinnung, die möglichst vollkommene innere Einstellung, die Seele des Aposto­lates ist. Die Legion will also eine möglichst große Zahl von Christen (beiderlei Geschlechts) durch eine entsprechende Führung zu Aposteln heranbilden. Und das Apostolat richtet sich an alle Menschen. Aus dieser Aufgabe, die hier nur ganz allgemein angedeutet ist, ergibt sich, dass die Legion ihr Ziel nur erreichen kann, wenn sie für eine einheitliche Schulung und dauernde Unterweisung ihrer Mitglieder Sorge trägt, wenn sie auch äußerlich straff organisiert ist und – was Inhalt und Form des Apostolates be­trifft – klare Grundsätze aufstellt, die überall verwirklicht werden können und deren Einhal­tung von ihr auch überprüft werden kann.

Die folgenden Ausführungen sollen daher dem Zweck dienen, das Frömmigkeitsideal, die Tä­tigkeit und die äußere Organisation der Legion darzulegen.

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Herzlich Willkommen

„... unter der Führung Marias, die im Bild vor ihnen stand,
begannen sie zu überlegen,
wie sie Gott am besten gefallen und was sie tun könnten,
damit er in Seiner Welt geliebt werde.“

(Handbuch der Legion Mariens)

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